Noch sehr begeistert vom Aufenthalt in Kazbegi, ging es fast genau 2 Wochen später wieder in den großen Kaukasus. Dieses Mal führte mich der Ausflug nach Mestia, einer kleinen Stadt hoch oben in Swanetien.
Swanetien ist aufgrund seiner Lage noch sehr unberührt. Es erstreckt sich im Nordwesten des Landes nahe Abchasiens quer über das Massiv des Kaukasus. Mestia ist die Hauptstadt der Region und befindet sich in dessen Herzen auf 2200 m Höhe.
Dort hoch muss man auch erstmal kommen. Mit einem Opel Vectra quälten wir uns die endlos gewundenen Straßen zu unserem Ziel entlang. Leicht übermüdet nach einem kurzen Zwischenstopp in Zugdidi, wieder bei Ratnas Familie, mit ca. 3 Stunden Schlaf, genossen wir die atemberaubende Aussicht. Grün soweit das Auge reicht. Die Natur konnten wir besonders bei unseren Pannen gut bestaunen: Schon auf dem Weg nach Zugdidi hatte wir eine Reifenpanne. Die Straße zwischen Gori und Kutaisi war wegen Überflutungen gesperrt, so mussten wir durch den Norden Imeretis. Auf dem Weg nach Mestia hatte dann unser Kühlwasserschlauch ein Leck, aber wieder schafften wir es dank der Hilfe netter Georgier schnell weiter.
Die Region Swaneti ist bekannt für ihre Wehrtürme, die rund um Mestia + Dörfern zu finden sind. Swaneti war schon immer ein schwer erreichbares Gebiet gewesen, sodass es wenige Kriege mit anderen Völkern hatte. Vielmehr waren Streitigkeiten zwischen Familienclans vorherrschend, sodass jede Familie einen Wehrturm für Kampfzeiten besaß. Dort flüchteten sich vor allem die Frauen und Kinder hinein bzw. dienten die Türme auch der eigenen Verteidigung. Sie besitzen dünne, schlitzartige Fensterlöcher, aus denen mit Pfeil und Bogen geschossen oder im Notfall auch mal mit Steinen geworfen wurde.
In Mestia selbst sind heute noch 41 solcher Türme erhalten. Diese werden nachts künstlich beleuchtet und sind zusammen mit einem klaren Sternenhimmel wunderschön. Wir kamen allerdings am Tag an und verschafften uns erstmal einen Überblick über das kleine Städtchen mit seinen Geländewagen (der Opel Vectra fiel echt auf), Kühen und Straßenhunden. Eigentlich ein netter kleiner Ort, wären da nicht die ganzen Touristen und die Reaktion der Einheimischen auf diese. Seit letztem Jahr wird überall in Georgien Werbung für Mestia gemacht und es als der Touristenort im Kaukasus angepriesen. Ebenfalls wurde der Flughafen dort wieder eröffnet. Guesthouses und Hostels sprießen wie Unkraut aus dem Boden. Praktisch für alle Reisenden, den Swanen selbst scheint es aber nicht wirklich zu gefallen. Eine große Offenheit wie in den meisten Teilen Georgiens erlebten wir hier nicht. Kein Wunder, wer hat auf so viele Touris schon unbedingt Lust?
Trotzdem machten wir uns ein paar schöne Tage dort oben mit leckerem Essen und spazieren gehen. Das richtige Wandern fiel für dieses Mal leider flach, da ich ab dem zweiten Tag krank im Bett lag (ja, sehr selten hier ;-)). Die Rückfahrt war in Kombination mit meinem Gesundheitszustand auch sehr interessant: Gegen 6 Uhr fährt die einzige Marschrutka von Mestia runter nach Zugdidi und weiter nach Tbilisi. Am Morgen unserer Abreise allerdings nicht, so viel wie ich Verstand wegen Krankheit des Fahrers. So organisierte uns unsere Guesthousebesitzerin mithilfe einiger georgischer Männer noch in aller Frühe eine Marschrutka runter nach Zugdidi, in der Schlafen aber wegen der schlechtausgebauten Straßen doch recht schwierig war. In Zugdidi ging es dann auch gleich in die nächste Marschrutka weiter nach Tbilisi, welches wir trotz Umleitung in nur 3 Stunden erreichten. Unser Fahrer musste vorher Rennfahrer gewesen sein, so viele und waghalsige Überholmanöver habe ich noch nie gesehen. Aber wir kamen heil zuhause an und konnten uns vom Urlaub erstmal erholen. ;-)
Mein Fazit zu Mestia: Mestia ist ein echt schönes Städtchen in toller Natur und angenehmen Klima. Die Wehrtürme sind ein echtes Highlight. Doch merkt man leider deutlich, dass es wieder ein künstlich geschaffenes Touristenparadis ist, was gegen den Willen und zum Leid der Einheimischen geschah. Das nimmt dem Ort natürlich erheblich den Charme. Ich bleibe ein Fan von Kazbegi mit netten und glücklichen Menschen, einem schönen Felsmassiv und wenigen Touristen. :-)
Alle Bilder dazu HIER.
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