Montag, 31. Januar 2011

Armenien Teil 2

Wie schon vor einer Weile versprochen, hier der zweite Teil meines Armenienberichtes. 

(+ jetzt auch endlich alle Bilder:  http://jessicaingeorgien.wordpress.com/2011/02/04/armenien-teil-2/)

06.01.2011: Frohe Weihnachten!

Nach unserem spannenden Ausflug mitten ins Nirgendwo, folgte am nächsten Tag zu meiner Überraschung das armenische Weihnachtsfest. 
Noch ganz georgisch eingestellt, hatte ich dieses für den 07.01. vermutet, nicht schon am 06.01. Aber man ist ja spontan, also ging es früh am Morgen nach Ejmiatzin, einer Stadt nicht weit von Jerewan entfernt, zum Weihnachtsgottesdienst oder so (bin mir nicht sicher, wie es in Armenien genannt wird). Gut gewärmt von den gefühlten 500 anwesenden Menschen, lauschte ich dann ca. 2 Stunden den Gesängen eines echt guten Chores rechts von mir, sowie den Predigten und Liedern der vorne stehenden Priestern. Wie auch in georgischen Kirchen befinden sich in den armenischen keine Bänke, sodass mich schließlich meine schmerzenden Gliedmaßen wieder raus in die Kälte trieben, was ich bei den vorherrschenden -10°C schnell bereute. Trotzdem war der Gottesdienst sehr schön, die Atmosphäre in der großen Kirche mit all den Menschen, den Gesängen und im Licht der unzähligen Kerzen faszinierte mich schon sehr, ein gelungenes zweites Weihnachtsfest eben. ;-) 


07.01.2011: Irgendwie komme ich nicht vom Fleck...

Der nächste Tag sollte dann etwas Sport für mich bringen, wer mich kennt, kann sich meine Begeisterung vorstellen, aber ich bin ja immer offen für Neues. Doch vor meinem Highlight des Tages, ging es erstmal wieder ein paar Runden durch die Stadt und Shoppen. Und wie klein ist die Welt, da trifft man am Platz der Republik auch gleich eine andere Kulturweitfreiwillige aus Georgien. Armenien scheint doch beliebt zu sein. ;-) 
Nun ging es noch kurz zu einem der Wahrzeichen Jerevans, dem Zizernakaberd (Genocide Memorial) oberhalb des Sportkomplexes. Dass in Armenien die Vergangenheit immer noch sehr wichtig zu sein scheint, hatte ich ja schon bei einigen Gesprächen erfahren und wurde mir dort auch noch einmal bewusst. Neben einem riesigen Obelisken, befindet sich eine runde Einbuchtung, in deren Mitte ein ewiges Feuer zum Gedenken der Opfer des Völkermordes an den Armeniern von 1915. Der Boden des Denkmals fällt zum ewigen Feuer hin ab, ebenfalls in dessen Richtung sind die ringsherum liegenden Säulen geneigt. Ich weiß, ich kann sowas schlecht beschreiben, also schaut euch lieber einfach die Bilder an. Jedenfalls ein sehr beklemmendes Gefühl darin, Respekt an den Architekten.
Nach der Besichtigung jedenfalls kam mein Höhepunkt des Urlaubs: Schlittschuh laufen. Das letzte Mal, dass ich auf den Teilen stand, ist eine gefühlte Ewigkeit her, was in Kombination mit meinem eher schwach ausgeprägten Gleichgewichtssinn und mangelnden Inlineskate-erfahrungen eher ungünstig für das Eislaufen ist. Nichts desto trotz, man muss ja alles mal gemacht haben. Also rein in die Schuhe, zum Eis damit stolpern und los geht’s. Oder auch nicht, wenn man nicht vorwärts kommt, so wie meine Person. Also was macht man? Richtig, ich habe mich ziehen lassen. Das kann ich auch inzwischen recht gut. ;-) Eine Stunde mühte ich mich ab, irgendwie vom Fleck zu kommen, doch alle Erklärungsversuche, die Bande, mitziehen lassen und Unterstützung wie: „ Das ist wie Skifahren.“ Halfen recht wenig. Was Sport angeht, bin ich einfach unbegabt, danach hat sich auch nach mehr als einem Jahr Auszeit vom Schulsport nichts geändert. Naja…
Froh und glücklich wieder auf festem Boden angekommen, wurde abends dann wieder die Stadt unsicher gemacht, ungünstig wenn am nächsten Tag erneut ein Ausflug ansteht.


08.01.2011: Der Verfasser des Reiseführers war wohl ein Visionär.

Auch in Armenien gibt es McDonald's!
Trotzdem habe ich es geschafft, pünktlich aufzustehen und mich in die Marschrutka Richtung Gyumri zu schleppen. Gyumri erinnerte mich dann wieder sehr an Georgien. Eine kleine Stadt und das Einzige, was man eigentlich besichtigen kann, sind Kirchen. Und ratet, was wir gemacht haben! Richtig, Kirchen angeschaut. 
Die Erste bestand komplett aus schwarzen Steinen, was ich sehr schön fand und war im Inneren auch sehr gemütlich. Bei der Zweiten musste ich schon sehr, über den Visionär lachen, der den Armenienreiseführer des Trescherverlages verfasst hatte. Schade, dass er das hier wahrscheinlich nicht liest, sonst würde ich ihm sagen: „Nein, die Kirche erstrahlt noch nicht im Glanz und der ursprünglichen Pracht.“ Was da nämlich vor uns lag, war eine eingestürtzte Kirche (durch ein Erdbeben zerstört) mit einem Baukran daneben, der sich wahrscheinlich schon seit Monaten nicht mehr bewegt hatte. Da hatte der Verfasser des Reiseführers wohl nicht mit den armenischen Bauzeiten für Gebäude gerechnet, schade, aber vielleicht ist der Reiseführer ja in 3 Jahren aktuell, wer weiß. ;-) 
Ansonsten fanden wir noch eine russische Kapelle zum Besichtigen, die im Inneren allerdings auch noch nicht fertig war, sodass wir einem Maler auf seinem mehr als klapprig zusammengesteckten und furchtbar knarksenden Gerüst dabei zuschauten, wie sein Engel an der Wand immer mehr Farbe erhielt. Wie auch Georgien, hat Armenien jedenfalls auch eine Mama, die oben über der Stadt Gyumri tront und man von der eben genannten Kapelle aus sehen kann, von Nahem habe ich sie leider nicht gesehen…

Modernes Karussell

09.01.2011: Hust!

Der Tag in Gyumri war sehr schön, wenn auch wieder sehr kalt, was nach fast einer Woche nun am letzten Tag schließlich dazu führte, dass eine Erkältung bei mir Einzug hielt. Wie kann es auch anders sein, Jessi kommt ja immer nur krank aus dem Urlaub bzw. von einer Reise zurück. So war der letzte Tag eher ein Rumgeschleppe mit verstopfter Nase, tränenden Augen und echt nervigem Husten. Und was macht man dagegen? Richtig, shoppen und Süßigkeiten essen. Also ging es vormittags noch schnell auf einen kleinen Markt irgendwo in der Stadtmitte, wo ich mir allerdings nicht viel kaufte, da ich dort das Gefühl hatte, als offensichtlicher Touri gleich mal das Doppelte des herkömmlichen Preises bezahlen zu dürfen. Und da man mit Frauen dort auch nicht verhandelt, verzichtete ich nun auf weiteren Schmuck (habe ja auch eigentlich aus der Türkei noch genug).
Am Abend ging es dann per Marschrutka zurück Richtung Georgien und bei meinem Glück war ich wieder die einzige Frau auf dieser Fahrt. So wurde mir an der Grenze netterweise mein Rucksack getragen und mit einem Hundeblick des georgischen Grenzbeamtens: „You’re so beautiful!“ kam ich schließlich erschöpft und krank, aber glücklich wieder in Georgien an…

Dienstag, 11. Januar 2011

Silvester und Armenien Teil 1

Teil 1:
03.01.11: Die etwas andere Hinfahrt und ein schöner Abend in einer Bar.
04.01.11: Besichtigung Yerevan, armenisches Neujahrsessen
05.01.11: Fahrt nach Khor Virap und Dvin
Teil 2:
06.01.11: Armenisches Weihnachten – Gottesdienst in Ejmiatzin und abends wieder unterwegs
07.01.11: Ausschlafen, Yerevan, Schlittschuhfahren
08.01.11: Fahrt nach Gyumri
09.01.10: Letzter Tag: Vernissage und Grand Candy!!! + Rückfahrt

Silvester
Ein frohes Neues wünsche ich euch allen! Ich hoffe, jeder ist gut reingerutscht. Ich auf jeden Fall, auch wenn ich nicht allen Partyeinladungen nachkommen konnte, die ich hatte, so habe ich doch 3/5 geschafft. Es war dadurch anfangs etwas hektisch, aber trotzdem überall sehr schön und ich konnte so gleich dreimal das typisch georgische Neujahresfest erleben. Ein Problem gab es dabei nur: das Essen! Egal auf welcher Feier, überall gab es viel zu viel zu Essen, wovon man auch alles probieren sollte. Das hatte ich vorher allerdings etwas verdrängt, sodass ich mich schon beim ersten Treffen maßlos überfutterte. Ein reichhaltig gedeckter Tisch bot einfach alles, was man wollte (Ente, Fisch, Chatchapuri, Lobiani, Salate und und und...). Dieses reichhaltige Angebot variierte im Laufe des Abends zwar etwas, aber viel war es immer und jedes Mal ziemlich lecker! Was es zum Essen so leckeres zu trinken gab, verrate ich hier aber nicht. ;-) Jedenfalls schaffte ich es dann doch noch, mich gegen 7 Uhr nach Hause zu rollen...
Viel Zeit zum Erholen blieb mir aber nicht, dann es sollte ja wieder weiter gehen...

03.10.2011: Anreise
Armenischer Sonnenuntergang
Am Montag hatte ich dann vor nach Yerevan zu reisen und dort endlich die anderen Kulturweitfreiwilligen zu besuchen. Doch wie man es in Georgien schon kennt: Es läuft nichts nach Plan! Die Marschrutkas fuhren aus einem mir unverständlichen Grund an diesem Tag nicht (unverständlich in dem Sinne, dass ich die alte Frau, die wild mit ihren Armen wedelte und irgendwas auf Russisch dazu sprach, wieder nicht verstand). Aber der Zufall kommt einem meistens ja sehr gelegen, so entdeckten ein paar Reisende weiter mein Leid und teilten dieses, sodass wir uns ein Sammeltaxi nehmen konnten. Also ging es mit einem kleinen georgischen Taxi, darin gleich vier Nationen vertreten (Georgien, Türkei, Iran und Deutschland natürlich), zur georgisch-armenischen Grenze. Diese liegt mitten in der Einöde zwischen ein paar Bergen und auf beiden Seiten einem gemütlichen Dörfchen. Problem nur: Wir brauchten alle ein Visum, dass man in AMD (Armenischen Dram) zahlen muss und am besten passend, da nicht gewechselt wird. Natürlich hatte ich keine dabei und außer unserem iranischen Mitreisendem sonst auch keiner, so spendierte er uns erstmal allen das Visum. Anmerkung an dieser Stelle: Geld wechseln an der Grenze geht nicht, da sich in dem Dorf davor keine Möglichkeit dafür findet. Genau auf der Grenze zwischen beiden Ländern hinter der Schranke befindet sich eine Möglichkeit, allerdings braucht man das Visum, um hinter diese Schranke zu kommen, etwas doof. Egal, wir schafften es trotzdem alle. Weiter ging es also nach Yerevan. Eigentlich hatte ich geplant, am Hauptbahnhof rausgesetzt zu werden, da aber unser Taxifahrer keine Ahnung hatte, wo sich dieser befand, wurde ich mit zum Flughafen geschliffen. Von dort aus, würde ich mich bei den anderen Freiwilligen melden und schon eine Möglichkeit finden, in die Stadt zu kommen. Allerdings gab es auch an diesem Plan wieder einen Haken: Weder meine georgische noch meine deutsche Simkarte hatten in Armenien Empfang. Unser netter Iraner, der uns schon an der Grenze den Hintern gerettet hatte, aber dafür auch die restliche Fahrt nicht davon abließ, uns auf schlechten Englisch zu erklären, dass die iranischen Frauen die Schönsten der Welt wären und so weiter, kam mir auch hier wieder zu Hilfe. Er hatte als Einziger eine armenische Simkarte dabei, die nur noch etwas Geld brauchte und es konnte losgehen. Also genoss ich noch etwas den Flughafen in Yerevan und ein Gespräch auf Georgisch mit dem Taxifahrer, bis ich schließlich aufgesammelt wurde. Gott sei Dank angekommen, darauf erstmal einen leckeren Cocktail...

04.01.2011: Besichtigung Yerevans und ein armenisches Neujahresessen
Blick von den Kaskaden
Am nächsten Tag ging es dann erstmal an die Besichtigung Yerevans, also z.B. erstmal im Nebel halb die Kaskaden hochgelaufen (der ganze Weg hätte sich bei der mangelnden Sicht ja nicht gelohnt :-)) und auf dem Platz der Republik die Reste des Neujahresfestes anschauen.
Nach einem schnellen Kirchenbesuch ( ja, von denen gibt es auch in Armenien genug) kam dann der Hauptpunkt des Tages: Ein traditionelles Neujahresessen bei einer armenischen Familie. Unsere Gastgeber waren echt total nett und die ganze Zeit um unser Wohl besorgt, sodass ich nach den gefühlten 15 Gängen mehr als satt war... Die Hälfte von uns folgte dann einer weiteren Essenseinladung, die andere Hälfte, zu der auch ich gehörte, ging nach Hause und führte lange, interessante Gespräche bei Tee und Schokolade. Man kann sich vorstellen, wie die Anderen vom zweiten Essen nach Hause kamen und an dem Abend nichts mehr, was nur entfernt mit Bewegung zu tun hatte, möglich war. So wurden die Aktivitäten auf den nächsten Tag verschoben...

05.01.2011: Khor Virap und Dvin
Ich beim Klettern im Kloster

Dieser führte mich zum ersten Mal raus aus Yerevan nach Khor Virap, einem alten Kloster im Süden des Landes, indem einem der „Kirchenvater“ Gregor 15 Jahre in einem Loch eingesperrt gewesen sein soll, bevor er den Herrscher, der ihn einst einsperrte, heilte und zum Dank freigelassen wurde, sodass er im ganzen Land Kirchen errichten konnte. Die Geschichte klingt schon ultra spannend, passend zu der Fahrt zur Kirche. Ursprünglich war geplant, eine Marschrutka bis genau vor die Tore unseres Zieles zu nehmen, es gab aber keine, also nahmen wir auf Anraten eines Armeniers einen Bus bis mitten in die Pampa einige Kilometer vor der Kirche. Dieser wollte uns auch noch in sein Heim einladen, nachdem er aber langsam anfing, uns etwas unheimlich und sehr unangenehm aufzufallen, hielten wir das nächste Taxi an (ja, mitten im armenischen Nirgendwo fahren auch Taxen) und ließen uns schnell zur Kirche bringen. Dort stand dann eine etwas andere Touribesichtigung an. In Deutschland undenkbar: ein 10 m tiefes Loch, in das man ohne Sicherung oder Menschen in der Nähe über eine alte, wacklige, rostige Leiter steigt. Ja, wir haben es gemacht. Wie das so etwa aussah, vermitteln die Bilder, die der Philipp mir netterweise gesponsert hat, da ich mit anderen Sachen beschäftigt war, als Fotos zu machen. Aber spannend war es trotzdem, deswegen kletterten wir auch aus Spaß gleich zweimal, gegenüber des großen Loches befindet sich nämlich noch ein kleineres, das „Kinderloch“, in das man eher kriechen muss, aber es auch nicht so tief runter geht. In die Kirche vor Ort gingen wir natürlich auch noch, an dieser hing auch gleich ein nettes Schild, dass auf die dortige Kopftuchpflicht hinwies, die übrigens nicht in allen armenischen Kirchen besteht, jedenfalls in den meisten, die ich sah, nicht. Vor dem Rückweg gab es dann auf dem Hügel neben der Kirche noch einen leckeren Gipfelkeks und weiter ging es. Da uns das Taxi nach Artashat? zu teuer war, entscheiden wir uns bei gefühlten -10°C mitten durch das armenische Nirgendwo zu latschen und einfach zu hoffen, das irgendwann mal eine Marschrutka vorbeikommt. Letztendlich sammelte uns 100 m vor dem uns schon bekannten Dörfchen mit dem „netten“ Armenier ein Kleinbus auf und brachte uns zur Hauptstraße, wo wir bezahlbare Taxen fanden. In Artashat stiegen wir noch in einen Bus, der uns nach Dvin brachte, wo eine archiologische Ausgrabungsstädte liegt, die wir aber völlig durchgefroren und nach einer weiteren Wanderung aufgaben zu finden. Im Sommer soll sie jedenfalls sehr schön sein, berichtete mir am Abend der Reiseführer. Naja, welcher Depp kommt schon auf die Idee, im Januar nach Armenien zu fahre? ;-)
Der Rückweg war dann wieder vom Glück gesegnet. Völlig erschöpft an der Hauptstraße angekommen, sahen wir einen Bus vorbeifahren, den wir mit schreien und winken doch anhielten. Erst als wir darin saßen bemerkten wir, dass dieser eigentlich schon gar nicht mehr regulär fuhr, der nette Mann schien Feierabend zu haben. Trotzdem nahm er uns mit und beorderte nacheinander Philipp und Rieke zu sich vor, um sich mit ihnen auf Armenisch zu unterhalten. Dazu muss gesagt sein: Philipp versteht genauso viel Armenisch wie ich. :-) Jedenfalls setzte er uns irgendwo in einem kleinen Dorf raus und organisierte auch gleich eine Marschrutka nach Yerevan. Was mich verwunderte: In armenischen Marschrutkas dürfen nur Männer vorne neben dem Fahrer sitzen, Frauen müssen nach hinten, was ich von Georgien nicht so kannte, da ist ja meistens egal. Völlig fertig, aber glücklich kamen wir dann in der warmen Wohnung wieder an, wurden noch lecker bekocht und fielen schließlich tot ins Bett...
Ich, Franzi, Rieke und Laure (von oben links)

So, das war der erste Teil des Armenienberichtes, der zweite folgt bald, keine Sorge. ;-)

Ganz wichtig natürlich, hier alle Bilder zum Eintrag:  http://jessicaingeorgien.wordpress.com/2011/01/11/silvester-und-armenien-teil-1/