Dienstag, 31. Mai 2011

Akhalzikhe & Vardzia

Vorletztes Wochenende ging es für mich in den Süden des Landes in die Region: Samtskhe Javakheti; Hauptstadt: Akhalzikhe. Und genau dort wohnt Martina, eine polnische Freiwillige, die uns netterweise bei sich aufnahm. Zu viert ging es am Freitagabend los, wie immer mit Marschrutka. Nach unserer Ankunft im dunklen Akhalzikhe ging es auch gleich in ein Restaurant, nach Martinas Aussage: „Das Beste der Stadt.“. 
Und was war auch wirklich lecker. Gestärkt und erkundungsfreudig brachen wir am Samstagmorgen nach Vardzia, einer Höhlenstadt südöstlich von Akhalzikhe, auf. Dort wanderten und kletterten wir dann, anfangs noch von zwei sehr zutraulichen Hunden begleitet, durch das Massiv. Später stand uns dann ein Priester zur Seite. Er führte uns zu einer Wasserquelle mitten im Berg, wo wir dann „Heiratswasser“ tranken. Heiratswasser in dem Sinne, dass seine Wirkung wohl eine baldige Hochzeit nach dem Verzehr ist. Ich fand es schmackhaft und nahm mir gleich 1,5 l davon mit. Den Weg nach draußen wählten wir quer durch den Berg, sehr spannend wenn man nachtblind ist. ;-)
Bevor es zurück nach Akhalzikhe ging, schauten wir uns noch ein Frauenkloster irgendwo am Ende einer Straße im Nichts an. Die jüngste Nonne dort was gerade mal 25 Jahre alt. Was bewegt einen wohl, so früh ins Kloster zu gehen? Ich lasse die Frage hier mal offen.
Nach dem Kloster war unser Ausflug aber noch nicht zuende, nein, Maya hatte uns einen Geheimtipp gegeben: Mitten im Nirgendwo solle es eine Kirche der heiligen Nino geben. Warum nicht? Also auf ging, ab ins Taxi, raus aus der Stadt und über Feld- bzw. teilweise Graswege, an kleinen Bauerndörfern und Felswänden vorbei hoch in die Natur über Akhalzikhe. 
Das Finden der Kirche was allerdings schwerer als gedacht. Eine kleine Wanderung brachte uns aber schließlich ans Ziel:Wirklich, die Kirche der heiligen Nino, mitten in den Fels geschlagen und scheinbar vergessen. Interessant auf jeden Fall, besonders die selbstgebastelte Georgienflagge darin. 
Damit war der Tag und der Ausflug für mich leider auch schon vorbei, am nächsten Morgen trat ich die Rückreise nach Tbilisi an. Schön war der Ausflug und ich bin froh, endlich mal wieder eine andere Region Georgien sehen zu können.

Dienstag, 24. Mai 2011

Und bald ist es schon wieder vorbei!

Endlich ist der Frühling und damit hier auch schon fast der Sommer da. Georgien wird grün, die Temperaturen in unserer Wohnung steigen kontinuierlich und die Dachterrasse kann endlich sinnvoll genutzt werden (nach monatelangem Dasein fristen als Raucherbereich).

Ja, es sieht schon fast wieder so aus, wie zu meiner Ankunft und damit wird mir doch stark bewusst: Bald ist mein Jahr hier schon wieder gelaufen. Die Zeit verging echt im Flug und es nagt schon etwas an mir, dass ich bald wieder zurück muss, wo ich mich doch hier so wohl fühle.
Deswegen gilt es für mich, die verbleibende Zeit hier nochmal richtig zu genießen. Und lustigerweise kann ich das gerade in der Schule mit am besten.

Meine Theatergruppe übt gerade fleißig an ihrem Stück für die Aufführung im Sommer, damit sie dort etwas Geld für einen zweitägigen Ausflug mit meinem Verlobten und mir sammeln können. Mit diesem Ausflug liegen sie mir nun, seit ich ihn vor 2 Wochen ansprach, in den Ohren. Die Route will ja sorgfältig geplant sein und an eine Übernachtungsmöglichkeit muss ja auch gedacht werden. Nun steht die Fahrt jedenfalls und bietet einen guten Anreiz, emsig an dem Theaterstück zu werkeln.

Ebenfalls die 9. Klasse erfreut mich momentan fast täglich mit Vorträgen über deutsche Bands, obwohl einige noch ausbaufähig wären.

Die 7. Klasse zeigte sich letzte Woche bei einem Besuch unserer Kulturweitvorsitzenden Fr. Veigel von ihrer besten Seite und als Belohnung dafür gab es einen Tag später auch für alle ein leckeres Eis und eine Spielstunde auf dem Sportplatz der Schule. Da ich aus dem Spielalter nun doch etwas raus bin, genügte mir das Zuschauen von den Randplätzen und einfangen der Sonne. Mit dem guten Wetter kam auch gleich die nächste Idee für eine abwechslungsreiche Deutschstunde: Ein Zoobesuch inklusive deutschsprachiger Führung von den Schülern für mich. Darauf bin ich ja mal sehr gespannt.

Gestern feierten die 12. Klassen an unserer Schule ihren „Bolo Zari“, das sogenannte „Letzte Klingeln“, was ungefähr dem letzten Schultag der Zwölfer in Deutschland entspricht. Als Besonderheit ist hier anzumerken, dass die georgischen Schüler keine einheitlichen T-Shirts drucken lassen, wie es sich in Deutschland zu großen Teilen schon etabliert hat. In Georgien kommen die Schüler in weißen Hemden bzw. Schürzen in die Schule, auf denen alle Zwölftklässler und Lehrer unterschreiben können bzw. schon müssen. So war ich die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt, bei Schülern auf allen mir möglichen Sprachen einen kleinen Glückwunsch zu hinterlassen. Die Vorführungen der Zwölfer waren auf jeden Fall etwas anders als das gewohnte Programm aus Deutschland. Scheint in Deutschland der Spaßfaktor und das Veralbern von Lehrern im Vordergrund zu stehen, so setzten unsere georgischen Schüler alles daran, zu zeigen, was sie können. Also genoss ich 2 Stunden Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel vom feinsten, hätte Georgien die Schüler zum Eurovision Songcontest geschickt, wäre ihm der erste Platz sicher gewesen. ;-)
Leider muss ich anmerken, dass die Konkurrenz zwischen den beiden 12. Klassen, welche die beiden Programme dominierte, in meinen Augen nicht gutzuheißen ist und es eher schade für den Anlass ist.

Spaß hatte ich den letzten Woche auf jeden Fall, ob nun in der Schule, auf Feiern (unter anderem auch bei uns zuhause) oder einfach an sonnigen Nachmittagen auf unserer Dachterrasse. Das Letztere hatte leider nicht selten einen Sonnenbrand zur Folge, ein kleiner Vorgeschmack auf den kommenden Sommer. Die Zeit hier in Georgien ist einfach schön, mir wird es schwer fallen, hier wieder wegzugehen und soviel zurückzulassen, aber solange ich noch hier bin, wird alles ausgekostet, was möglich ist. (Worüber ich euch natürlich auf dem Laufenden halte.)

Sonntag, 1. Mai 2011

ქრისტე აღსდგა!

Ostern, mein erstes großes Fest hier in Georgien und natürlich deutsch und georgisch gefeiert.

Für mich begann Ostern schon kurz nach meiner Ankunft aus Zugdidi mit einem Ostereierfärbmarathon, 50 Eier für 2 Schulen standen auf dem Plan. Geschafft hab ich es fast, auch wenn die Ergebnisse eher semigut waren. Zum Glück freuten sich die Schüler trotzdem, da sie selbst die Eier nicht in allen Farben färben. Als Erklärung dazu: In Georgien werden die Ostereier nur dunkelrot gefärbt, da sie im Korb an das Blut Christi erinnern sollen, dass von seinem Körper am Kreuz in einen Korb tropfte. Gefärbt wird mit der Wurzel Endro, die uns netterweise von unserer Nachbarin zur Verfügung gestellt wurde, sodass auch wir mal unser Glück mit ihr versuchen konnten. Als Warnung an alle, die auf diese Art und Weise färben wollen: Die Farbe ist auf den Eier zwar echt schön, geht aber aus dem verwendeten Topf nie wieder raus! Also am besten einen alten Topf nehmen und ihn jährlich wieder vorholen. ;-)

Neben roten Eiern gab es auch den traditionellen Osterkuchen Paska bei uns. Dieser erinnert mich persönlich mit seinem lebkuchenähnlichen Geschmack aber eher an Weihnachten als an Ostern. Egal, lecker war er.

Neben dem ganzen Essen, gab es natürlich auch andere Dinge an Ostern zu erleben. In Georgien gibt es z.B. auch Osterfeuer, jedoch nicht so wie in Deutschland. So zog ich am Mittwochabend mit Keti, Gvanca und Salo durch die Straßen Saburtalos und beobachte Kinder und Jugendliche, wie sie schreiend über Feuer verschiedenster Größe sprangen. Ein lustiger Brauch, sogar für die Kleinsten gibt es ca. 10 cm hohe Feuerchen.

Am Samstag nach dem Eierfärben ging es dann zur eigentlichen Osterparty bei meiner Lieblingsnachbarin, die uns mit ihrer Mama super bekochte und rundum versorgte, bis es gegen ca. 0 Uhr zur Kirche ging. Zuerst ging es für mich erstmal zu einer kleinen Kirche in Vera, die gleich neben einer russischen Kirche liegt. Dort angekommen quetschten wir uns schön in die Mitte der Menschenmenge und genossen das Glöckenläuten, Gesänge und liefen traditionell 3 Runden um die Kirche. Warum? Keine Ahnung.

Danach ging das große Futtern dann erstmal weiter, bis ich gegen 4 Uhr morgens dann doch noch in unsere gigantische Samebakirche aufbrach, in der Hoffnung, dort noch einen Blick auf den Patriarchen zu erhaschen. Das schaffte ich letztendlich auch, leider musste ich mich mehrmals mit georgischen Priestern auseinandersetzen, die mich immer verscheuchen wollten, da ich anscheinend falsch stand (nämlich dort, wo nur Männer stehen durften). Das Thema orthodoxe Kirche und Frauen lasse ich hier jetzt einfach mal so stehen. Fazit: Patriarch gesehen, das reicht erstmal.

Das war so grob mein Osterfest. Als Ergänzung ist noch eine georgische Ostertradition zu nennen, an der ich nicht teilnahm. Am Montag ist das Essen mit den Toten, d.h. die georgischen Familien gehen mit Essen und Trinken bepackt auf den Friedhof zu ihren Verstorbenen und essen an einem festen Tisch neben dem Grab. Dabei bekommen die Toten natürlich auch Essen und als Getränk meist Wein auf das Grab gelegt bzw. geschüttet. Nicht selten gibt es auch noch eine zum Rauchen dazu. ;-)
Eine sehr schöne Tradition, wie ich finde, die man sich in Deutschland mal durch den Kopf gehen lassen sollte...
Hier natürlich wie immer mehr Fotos vom Osterspektakel:
http://jessicaingeorgien.wordpress.com/2011/05/01/581/