Montag, 25. Oktober 2010

"Schüler im Gespräch" und was sonst noch so los war.

Plakat für "Schüler im Gespräch"
Neben der Verschönerung der Tür nahm diese Woche auch ein weiteres Projekt genauere Formen an, mein Mailprojekt "Schüler im Gespräch". 
Donnerstag um 14:15 Uhr fiel der Startschuss und die Schüler der 8. Klasse stürzten sich auf die Vorbereitungen zur ersten Mail, dicht gefolgt von den Neuntklässlern um 15 Uhr. Diese arbeiteten emsig an Themenvorschlägen, Wünschen, Hoffnungen und auch Befürchtungen betreffend des Projektes, welche mir in Zukunft die Arbeit daran erleichtern sollen. Es begeisterte mich schon sehr, wie motiviert die Schüler dabei waren und dass ich trotzdem jeder Zeit Gehör fand, wenn ich das Wort ergriff (gar nicht so selbstverständlich bei so vielen Schülern in einem Raum).


Nun bin ich gespannt, wie viele Mails von den 39 angekündigten bis zum Ende dieser Woche bei mir eintrudeln werden...


Außerschulisch war die Woche mal relativ gemütlich. 
Unsere Männer-Wg hatte bis  Donnerstag (ja, der Donnerstag des Mailprojektes) Besuch, den pakistanischen Couchsurfer Umer, welcher uns den Wochenanfang echt amüsant gestaltete. 
Magnus, ich, Umer, Konradi und Kai
Regen auf der Linse, kein Schnee.
Leider verpasste er knapp den Anfang von Tbilisoba, das Stadtfest hier in Tbilissi, was ich mir natürlich etwas genauer ansah. Massen von Menschen waren unterwegs, überall schmückten Stände mit Essen, Bühnen etc. die Stadt. Dank meiner Schülerinnen konnte ich aber nicht nur einem Konzert lauschen, sondern sah ich nun endlich auch mal die Samebakirche und lecker Essen gingen wir natürlich auch. Letzteres gestaltete sich etwas schwieriger, da das Stadtfest neben den Straßen auch die Restaurants gefüllt hatte und wir etwas suchen mussten. Aber zu fünft auf der Rückbank des Autos kann es dabei nur lustig werden...




Insgesamt war die Woche sehr schön. Neben der Arbeit, die Spaß machte und Erfolge zeigte, hatte ich viele fantastische Menschen um mich herum und konnte zur Abwechslung auch mal etwas entspannen, einfach eine gute Kombination...

Samebakirche bei Nacht




Freitag, 22. Oktober 2010

Jutta's Tür bekennt Farbe.

Juhu, diese Woche war es soweit, das erste Projekt materialisierte sich...

Die Idee dafür kam letzte Woche auf, als meine Betreuerin Jutta bemerkte, dass ihre Tür einen neuen Anstrich bräuchte und da war der Einfall auch schon: Warum nicht einfach mit den Schülern kreativ die Tür verschönern?

Alle sind fleißig dabei.
Nur noch die letzten Striche... fast jedenfalls...
Montag war es dann soweit. Farbe da, Schüler da, Konradi da, also spontan einfach mal loslegen! Zum Glück hatte mein Freund (an dieser Stelle lieben Dank) mir schon viele gute Vorschläge gemacht, wovon sich auch einige auf der Tür letztendlich wiederfanden. Ein anfängliches Chaos und die Unklarheit darüber, was nun gemalt werden sollte, wichen langsam immer mehr einem Plan und organisierten sich doch langsam selbst. Bier, Fußball und Autos, ganz oben auf der Liste der Schülervorschläge, wichen dann doch den Büchern und Bergen und dem Gedicht "Wünschelrute". Und nach 3 Stunden Kampf mit der hartnäckig an den Fingern klebenden Farbe war es geschafft! Die Tür war bunt und sogar ansehnlich. Jetzt haben die Mandaturi durch ihre Kamera wenigstens was zu gucken....

Endspurt!!

Und Fertig!

Und zum Schluss nochmal der Anfang des Ganzen, bitte mit dem Ergebnis vergleichen.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Das Wort zum Ende der Woche...

Und wieder geht eine spannende und ereignisreiche Woche in Tbilissi zu Ende.
Aufgrund meines krankheitsbedingten Ausfalls die Woche zuvor, gab es einiges nachzuholen. Die Mappen der Zwölftklässler wollten schließlich noch besprochen, Problemfragen gefunden und erörtert, sowie die letzten fehlenden Punkte ergänzt werden. Nachmittage eigneten sich dafür auch sehr gut.

Mein E-Mailprojekt musste ich leider eine Woche nach hinten verschieben, was inzwischen sogar sehr gut ist, da ich einen der zahlreichen Feiertage übersah. Kann ja mal passieren, dafür kam in der Zeit grünes Licht aus der Heimat, es kann also losgehen.
Doch nicht nur das Mailprojekt, sondern auch der Neubeginn der Schülerzeitung, die Überarbeitung der Schulhomepage, ein Brückenprojekt, die Planung eines Fotomarathons und noch einige andere kreative Ideen wurden diese Woche das erste Mal in Angriff genommen bzw. werden sie es nächste Woche. Darauf freue ich mich auch echt schon.

Ansonsten haben wir nun auch zusätzliche Besucher an unserer Schule. Unterstützt von einer festinstallierten Kamera vor Juttas Klassenraum wandern täglich ungefähr drei Mandaturi durch die Gänge, unermüdlich auf der Suche nach schweren Ordnungsverstößen. Kein vierminütiges Zuspätkommen, kein Zigarettenstummel auf dem Schulgelände, kein Kaugummi im Unterricht, kein dringender Toilettenbesuch während der Schulstunden oder gar eine zu laute Diskussion in den Klassenräumen bleibt unentdeckt. Der Sinn dieser Überwachung, die Rechte bzw. die Grenzen dieser Rechte der Mandaturi bleiben dabei etwas im Dunkeln, aber die Kamera kann ja nicht alles offenbaren, sodass bei den meisten (inklusive meiner Person) bis jetzt nur angekommen ist, dass der Einsatz der Wachmannschaften der Kontrolle und Sicherheit dient, die auch mit Gewalt gegen Schüler durchgesetzt werden darf. Weitere Informationen erhält man durch einen dreiseitigen, georgischen Aushang. Ich fühle mich also super aufgeklärt.
Aber so schlimm, wie es hier klingt, ist es auch nicht. Diesen Freitag hatte ich z.B. auch ein sehr positiv überraschendes Erlebnis. Als ich mich im Flur neben Juttas Tür abmühte, ein Plakat für die Schülerzeitung aufzuhängen, schienen die Mandaturi dies in der Kamera beobachtet zu haben und halfen mir nach einem kurzen: „Do you need help?“ tatkräftig beim Befestigen des A1-Blattes. Mit gemeinsamer Kraft (eine hielt, eine kontrollierte, ob es gerade hing, eine klebte) hingen innerhalb von 10 Minuten zwei schöne Plakate im Schulhaus. Völlig geplättet und mit einem herzlichen „You're welcome!“ verabschiedet, kehrte ich in die Klasse zurück.

Ja, so kann es auch gehen. Neben der Arbeit hatte ich natürlich auch Freizeit, die ich vor allem damit verbrachte unterwegs zu sein. Ob ich nun bei Schülerinnen zuhause war und versuchte „Harri Potteri“ auf Georgisch zu entziffern; mit Schülern oder Freiwilligen, oder beiden in Kombination Billard spielen war; einfach gechillt irgendwo rumsaß und interessante Gespräche führte oder auch mal Kartenspiele ohne Regeln mitmachte, spaßig war alles. Besonders schön sind Donnerstag- und Freitagnacht anzumerken, in denen ich wohl am wenigsten geschlafen, aber das lustigste erlebt habe. Danke auch nochmal an die Jungs (speziell Konrad), welche Freitagnacht ein Bett für mich räumten.
Ansonsten war heute wieder ein kleiner Einkauf angesagt, dieses Mal auf der Liste: GUMMISTIEFEL! Kein Scherz! Vor meiner Haustür bildet sich bei Regen ein riesiges Schlammmohr, in dem ich zu versinken drohe und vorbeirasende Taxen machen das Ganze nicht besser. Also habe ich jetzt schöne gepiekte Gummistiefel. (Hoffentlich regnet es morgen früh nicht, sehr unwahrscheinlich bei dem schlechten Wetter in letzter Zeit.)

Mit dieser Hoffnung für den morgigen Tag beende ich erstmal diesen Wochenbericht, der zugegebener Maßen etwas länger als ein Wort geworden ist...

Jessica

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Empfang der Deutschen Botschaft

Auf den Ausflug am Samstag folgte am Sonntag gleich das nächste Highlight: Der Empfang der Deutschen Botschaft anlässlich der Wiedervereinigung vor 20 Jahren, gefeiert um 19:00 Uhr im Radissonhotel hier in Tbilissi.
Ja, und was braucht man für so einen Anlass?? Richtig, ansehnliche Klamotten. Also war erstmal Shoppen angesagt. In den kleinsten Kellerläden gab es Sachen von H&M, Only, Esprit usw., nur keine Extrageschäfte dazu, im ersten Moment etwas irritierend. Aber große Kaufhäuser wie Karstadt oder Galeria Kaufhof scheinen hier eher die Seltenheit zu sein und laut einer meiner Schülerinnen, der Salome, auch sehr teuer.
Aber egal, erfolgreich waren wir trotzdem und gut vorbereitet für das bevorstehende Event auch.
So rückte der Empfang näher... Samstag Ausflug... und da war schon Sonntag.
Pünktlich auf den letzten Drücker fiel mir natürlich ein: Ich habe keine Handtasche! Meine Rettung: Salome, die mir im strömenden Regen entgegenkam und ihre Handtasche für den Abend hergab. ^^
Nun endlich voll ausgerüstet ging es ab zum Radissonhotel... Schon die Straße davor ging mir langsam der Hintern auf Grundeis, lauter große Autos mit Botschafterkennzeichen und gleich vor dem Hotel erstmal ein Fernsehteam. Aber nachdem ich unsere Jungs gefunden hatte, war ich schon erleichterter, so schafften wir gemeinsam, händeschüttelnd den Weg über den Roten Teppich, vorbei an den Kameras, hin zum Sektempfang.
Den Rest des Abends prägten Reden über die Deutsche Wiedervereinigung, die Vorbildwirkung für Georgien und ein typisch deutsches Buffet (Brezeln, Sauerkraut mit Würstchen, Schnitzel, Kartoffelbrei usw., kein Scherz). Getränke wurden auch in Massen verteilt.(Magnus erhielt z.B. ungewollt eine Ladung Rotwein, da er seinen Kirschsaft im Weinglas bekommen hatte und die Kellner immer ganz zuvorkommend nachschenkten, zum Glück war Konrad da.)

Ich sage dazu einfach mal nix.
Der Abend endete jedenfalls früh, da Empfänge anscheind nicht als lange Partys gedacht sind, schade eigentlich. ^^
Doch so konnte ich noch etwas Zeit mit meiner Gastfamilie und der Austauschschülerin Giulia aus Deutschland verbringen...

Montag, 4. Oktober 2010

Kazbegi im tiefsten Kaukasus.

Kulturweitfreiwillige haben eindeutig zu viel Zeit.
Blick auf den Kaukasus
Eigentlich nicht, aber wenn ich jetzt hier schreibe, dass wir auch dieses Wochenende wieder einen Ausflug gemacht haben, könnte man glatt auf diese Idee kommen. Am Samstag ging es mit den anderen Frewilligen, einigen deutschen Lehrern und zwei Aserbaidschanern per Marschrutka tief in den Kaukasus nach Kazbegi, einem Ort am Fuße des Berges Kasbeg in 1700 m Höhe. Die Fahrt dorthin zu beschreiben, ist relativ schwer, ich sage mal so, die Straßen in den Bergen könnten besser ausgebaut sein bzw. wären weniger Schlaglöcher und Unebenheiten nicht verkehrt. ;-) 
Gruppenfoto! ^^
Zur Erholung der wiederholt gestauchten Wirbelsäule machten wir auch einige Pausen an Aussichtspunkten, einer Wasserquelle und einer Festung, wo nicht selten alte Frauen zu sehen waren, die am Straßenrand saßen und ihre selbstgefertigten Artikel (Socken, Süßigkeiten, Schmuck) verkauften. Ein echt unangenehmer Job, da es im Kaukasus ungefähr 10 °C kälter ist als hier in Tbilissi und windig noch dazu! Das bekam ich auch zu spüren, als wir in Kasbegi ankamen und uns zum Picknicken auf eine Wiese am Fuße des Kasgerbs setzten. Auch ein T-Shirt + drei Sweetjacken bewarten mich nicht vor der Kälte, erst Konrads Pullover brachte die ersehnte Wärme (ein Dankeschön an dieser Stelle nochmal).
Die Kirche Zminda Sameba schafften wir leider nicht mehr zu besichtigen, stattdessen fuhren wir noch bis an die Grenze zu Russland, die wir natürlich nicht passieren durften, dafür waren die dortigen Beamten sehr nett und gesprächig .
Grenze zu Russland

Den Abschluss des Tages bildeten Tiefkühlchinkali und das Scarlet, ein kleiner Club in der Nähe der Dadianistraße, dort konnte der Tag ruhig ausklingen....

So in etwa hat es die ganze Zeit geholpert...

Freitag, 1. Oktober 2010

Eine kleine Zeile zwischendurch...

An dieser Stelle wollte ich einfach mal meine Gastfamilie erwähnen, bei der ich momentan lebe und die mich unbeschreiblich herzlich in ihrer Mitte aufgenommen hat. Ich fühle mich hier echt wohl und mein Georgisch verbessert sich so auch langsam, besonders da sich Teo (meine Gastschwester) vorgenommen hat, mir jeden Tag mindestens ein georgisches Wort beizubringen.
Damit fingen wir vorhin in lustiger Runde auch an: Teo, Tamta (ihre jüngere Schwester), die Mama und Giulia (eine deutsche Austauschschülerin, bis nächsten Samstag bei uns wohnhaft). 
Mein heutiges Wort war: da = Schwester ("Ich liebe dich" habe ich eigentlich auch noch gelernt).
Diese Georgischstunde war einfach total schön, ich beginne mich echt langsam heimisch zu fühlen und freue mich auf die nächsten 3 Monate in dieser Familie. (Trotz, dass ich immer zum Essen gezwungen werde ;-) )

Anhang: Dafür kann Teo jetzt "BRUMMER!".

Montag, 27. September 2010

Ein Wochenende Batumi!

Irgendwo zwischen Tbilissi und Batumi
Einfach mal was Dummes tun! Ja, das war wohl mein Gedanke, als ich Freitag spontan beschloss, mit Sabrina und den anderen Freiwilligen (also wer Lust dazu hatte) per Marschrutka 6 Stunden nach Batumi zu fahren. Auf jeden Fall eine coole Idee, also gesagt getan: Jutta buchte noch schnell ein Hotel für uns und gegen 21 Uhr ging es dann los, vom Hauptbahnhof Tbilissi durch die Nacht nach Batumi.
Unser Hotel
Um kurz nach 3 Uhr dann das ersehnte Eintreffen in Batumi. "Nur noch ab zum Hotel", war mein Gedanke, haha, Pustekuchen! Nach einer verzweifelten Suche durch Schlaglöcher, Pfützen und Schlamm, entpuppte sich unser Hotel als Schiff mit vielen unangenehmen Bewohnern darin (Kakerlaken und Massen an Mücken). Doch nach einem gemütlichen Beisammensein konnten selbst diese mich nicht mehr stören. 
Tolles Wetter! ;-)
Samstag: Boah, fiel das Aufstehen schwer, doch ich schaffte es! Sabrina, Kai und Konrad schließlich auch, also konnte es 15 Uhr endlich an den Strand gehen. Leider wanderten wir auf dem Weg dorthin erst in die falsche Richtung, nicht so positiv für das Zeitmanagement. Aber egal! Wir erreichten den Strand trotzdem und konnten nun endlich unser Frühstück einnehmen und den wunderschönen Ausblick genießen! 
Lascha, Sabrina und ich
Baden war aufgrund des schlechten Wetters allerdings nicht möglich. Doch nachdem uns die Jungs wegen eines Fußballspieles im Stich gelassen hatten, dauerte es nicht lange und zwei nette Georgier (Lascha und Irakli) luden Sabrina und mich zum Essen und trinken ein, ein echt schöner lustiger Abend!
Der Sonntag brachte dann endlich Badewetter mit sich, sodass wir die letzten 2 Stunden entspannt am Strand liegen und baden konnten. Hätte allerdings nicht damit gerechnet, einen Sonnenbrand zu bekommen! Wahnsinn, ich sehe aus wie ein Krebs. ;-) 
Zurück ging es dann wieder knapp 6 Stunden mit der Marschrutka durchs Land (nachdem wir feststellen mussten, dass ein Zug erst gegen 22:30 Uhr nach Tbilissi fahren würde), sodass mich meine Gastfamilie sichtlich froh über meine Rückkehr gegen 23 Uhr endlich wieder in die Arme schließen konnte! Und das Beste: Ein Geschenk habe ich auch noch bekommen! Diese Familie ist echt so lieb!
Der Ausflug war wirklich schön, ich möchte auf jeden Fall nochmal nach Batumi, aber das nächste Mal kommt Teo mit! So!

Ein kleiner Eindruck aus einer Marschrutka um 2 Uhr morgens irgendwo im Nirgendwo...