Sonntag, 1. Mai 2011

ქრისტე აღსდგა!

Ostern, mein erstes großes Fest hier in Georgien und natürlich deutsch und georgisch gefeiert.

Für mich begann Ostern schon kurz nach meiner Ankunft aus Zugdidi mit einem Ostereierfärbmarathon, 50 Eier für 2 Schulen standen auf dem Plan. Geschafft hab ich es fast, auch wenn die Ergebnisse eher semigut waren. Zum Glück freuten sich die Schüler trotzdem, da sie selbst die Eier nicht in allen Farben färben. Als Erklärung dazu: In Georgien werden die Ostereier nur dunkelrot gefärbt, da sie im Korb an das Blut Christi erinnern sollen, dass von seinem Körper am Kreuz in einen Korb tropfte. Gefärbt wird mit der Wurzel Endro, die uns netterweise von unserer Nachbarin zur Verfügung gestellt wurde, sodass auch wir mal unser Glück mit ihr versuchen konnten. Als Warnung an alle, die auf diese Art und Weise färben wollen: Die Farbe ist auf den Eier zwar echt schön, geht aber aus dem verwendeten Topf nie wieder raus! Also am besten einen alten Topf nehmen und ihn jährlich wieder vorholen. ;-)

Neben roten Eiern gab es auch den traditionellen Osterkuchen Paska bei uns. Dieser erinnert mich persönlich mit seinem lebkuchenähnlichen Geschmack aber eher an Weihnachten als an Ostern. Egal, lecker war er.

Neben dem ganzen Essen, gab es natürlich auch andere Dinge an Ostern zu erleben. In Georgien gibt es z.B. auch Osterfeuer, jedoch nicht so wie in Deutschland. So zog ich am Mittwochabend mit Keti, Gvanca und Salo durch die Straßen Saburtalos und beobachte Kinder und Jugendliche, wie sie schreiend über Feuer verschiedenster Größe sprangen. Ein lustiger Brauch, sogar für die Kleinsten gibt es ca. 10 cm hohe Feuerchen.

Am Samstag nach dem Eierfärben ging es dann zur eigentlichen Osterparty bei meiner Lieblingsnachbarin, die uns mit ihrer Mama super bekochte und rundum versorgte, bis es gegen ca. 0 Uhr zur Kirche ging. Zuerst ging es für mich erstmal zu einer kleinen Kirche in Vera, die gleich neben einer russischen Kirche liegt. Dort angekommen quetschten wir uns schön in die Mitte der Menschenmenge und genossen das Glöckenläuten, Gesänge und liefen traditionell 3 Runden um die Kirche. Warum? Keine Ahnung.

Danach ging das große Futtern dann erstmal weiter, bis ich gegen 4 Uhr morgens dann doch noch in unsere gigantische Samebakirche aufbrach, in der Hoffnung, dort noch einen Blick auf den Patriarchen zu erhaschen. Das schaffte ich letztendlich auch, leider musste ich mich mehrmals mit georgischen Priestern auseinandersetzen, die mich immer verscheuchen wollten, da ich anscheinend falsch stand (nämlich dort, wo nur Männer stehen durften). Das Thema orthodoxe Kirche und Frauen lasse ich hier jetzt einfach mal so stehen. Fazit: Patriarch gesehen, das reicht erstmal.

Das war so grob mein Osterfest. Als Ergänzung ist noch eine georgische Ostertradition zu nennen, an der ich nicht teilnahm. Am Montag ist das Essen mit den Toten, d.h. die georgischen Familien gehen mit Essen und Trinken bepackt auf den Friedhof zu ihren Verstorbenen und essen an einem festen Tisch neben dem Grab. Dabei bekommen die Toten natürlich auch Essen und als Getränk meist Wein auf das Grab gelegt bzw. geschüttet. Nicht selten gibt es auch noch eine zum Rauchen dazu. ;-)
Eine sehr schöne Tradition, wie ich finde, die man sich in Deutschland mal durch den Kopf gehen lassen sollte...
Hier natürlich wie immer mehr Fotos vom Osterspektakel:
http://jessicaingeorgien.wordpress.com/2011/05/01/581/

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen