06.01.2011: Frohe Weihnachten!
Nach unserem spannenden Ausflug mitten ins Nirgendwo, folgte am nächsten Tag zu meiner Überraschung das armenische Weihnachtsfest.
Noch ganz georgisch eingestellt, hatte ich dieses für den 07.01. vermutet, nicht schon am 06.01. Aber man ist ja spontan, also ging es früh am Morgen nach Ejmiatzin, einer Stadt nicht weit von Jerewan entfernt, zum Weihnachtsgottesdienst oder so (bin mir nicht sicher, wie es in Armenien genannt wird). Gut gewärmt von den gefühlten 500 anwesenden Menschen, lauschte ich dann ca. 2 Stunden den Gesängen eines echt guten Chores rechts von mir, sowie den Predigten und Liedern der vorne stehenden Priestern. Wie auch in georgischen Kirchen befinden sich in den armenischen keine Bänke, sodass mich schließlich meine schmerzenden Gliedmaßen wieder raus in die Kälte trieben, was ich bei den vorherrschenden -10°C schnell bereute. Trotzdem war der Gottesdienst sehr schön, die Atmosphäre in der großen Kirche mit all den Menschen, den Gesängen und im Licht der unzähligen Kerzen faszinierte mich schon sehr, ein gelungenes zweites Weihnachtsfest eben. ;-)
07.01.2011: Irgendwie komme ich nicht vom Fleck...
Der nächste Tag sollte dann etwas Sport für mich bringen, wer mich kennt, kann sich meine Begeisterung vorstellen, aber ich bin ja immer offen für Neues. Doch vor meinem Highlight des Tages, ging es erstmal wieder ein paar Runden durch die Stadt und Shoppen. Und wie klein ist die Welt, da trifft man am Platz der Republik auch gleich eine andere Kulturweitfreiwillige aus Georgien. Armenien scheint doch beliebt zu sein. ;-)
Nun ging es noch kurz zu einem der Wahrzeichen Jerevans, dem Zizernakaberd (Genocide Memorial) oberhalb des Sportkomplexes. Dass in Armenien die Vergangenheit immer noch sehr wichtig zu sein scheint, hatte ich ja schon bei einigen Gesprächen erfahren und wurde mir dort auch noch einmal bewusst. Neben einem riesigen Obelisken, befindet sich eine runde Einbuchtung, in deren Mitte ein ewiges Feuer zum Gedenken der Opfer des Völkermordes an den Armeniern von 1915. Der Boden des Denkmals fällt zum ewigen Feuer hin ab, ebenfalls in dessen Richtung sind die ringsherum liegenden Säulen geneigt. Ich weiß, ich kann sowas schlecht beschreiben, also schaut euch lieber einfach die Bilder an. Jedenfalls ein sehr beklemmendes Gefühl darin, Respekt an den Architekten.
Nach der Besichtigung jedenfalls kam mein Höhepunkt des Urlaubs: Schlittschuh laufen. Das letzte Mal, dass ich auf den Teilen stand, ist eine gefühlte Ewigkeit her, was in Kombination mit meinem eher schwach ausgeprägten Gleichgewichtssinn und mangelnden Inlineskate-erfahrungen eher ungünstig für das Eislaufen ist. Nichts desto trotz, man muss ja alles mal gemacht haben. Also rein in die Schuhe, zum Eis damit stolpern und los geht’s. Oder auch nicht, wenn man nicht vorwärts kommt, so wie meine Person. Also was macht man? Richtig, ich habe mich ziehen lassen. Das kann ich auch inzwischen recht gut. ;-) Eine Stunde mühte ich mich ab, irgendwie vom Fleck zu kommen, doch alle Erklärungsversuche, die Bande, mitziehen lassen und Unterstützung wie: „ Das ist wie Skifahren.“ Halfen recht wenig. Was Sport angeht, bin ich einfach unbegabt, danach hat sich auch nach mehr als einem Jahr Auszeit vom Schulsport nichts geändert. Naja…
Froh und glücklich wieder auf festem Boden angekommen, wurde abends dann wieder die Stadt unsicher gemacht, ungünstig wenn am nächsten Tag erneut ein Ausflug ansteht.
08.01.2011: Der Verfasser des Reiseführers war wohl ein Visionär.
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| Auch in Armenien gibt es McDonald's! |
Trotzdem habe ich es geschafft, pünktlich aufzustehen und mich in die Marschrutka Richtung Gyumri zu schleppen. Gyumri erinnerte mich dann wieder sehr an Georgien. Eine kleine Stadt und das Einzige, was man eigentlich besichtigen kann, sind Kirchen. Und ratet, was wir gemacht haben! Richtig, Kirchen angeschaut.
Die Erste bestand komplett aus schwarzen Steinen, was ich sehr schön fand und war im Inneren auch sehr gemütlich. Bei der Zweiten musste ich schon sehr, über den Visionär lachen, der den Armenienreiseführer des Trescherverlages verfasst hatte. Schade, dass er das hier wahrscheinlich nicht liest, sonst würde ich ihm sagen: „Nein, die Kirche erstrahlt noch nicht im Glanz und der ursprünglichen Pracht.“ Was da nämlich vor uns lag, war eine eingestürtzte Kirche (durch ein Erdbeben zerstört) mit einem Baukran daneben, der sich wahrscheinlich schon seit Monaten nicht mehr bewegt hatte. Da hatte der Verfasser des Reiseführers wohl nicht mit den armenischen Bauzeiten für Gebäude gerechnet, schade, aber vielleicht ist der Reiseführer ja in 3 Jahren aktuell, wer weiß. ;-)
Ansonsten fanden wir noch eine russische Kapelle zum Besichtigen, die im Inneren allerdings auch noch nicht fertig war, sodass wir einem Maler auf seinem mehr als klapprig zusammengesteckten und furchtbar knarksenden Gerüst dabei zuschauten, wie sein Engel an der Wand immer mehr Farbe erhielt. Wie auch Georgien, hat Armenien jedenfalls auch eine Mama, die oben über der Stadt Gyumri tront und man von der eben genannten Kapelle aus sehen kann, von Nahem habe ich sie leider nicht gesehen…
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| Modernes Karussell |
09.01.2011: Hust!
Der Tag in Gyumri war sehr schön, wenn auch wieder sehr kalt, was nach fast einer Woche nun am letzten Tag schließlich dazu führte, dass eine Erkältung bei mir Einzug hielt. Wie kann es auch anders sein, Jessi kommt ja immer nur krank aus dem Urlaub bzw. von einer Reise zurück. So war der letzte Tag eher ein Rumgeschleppe mit verstopfter Nase, tränenden Augen und echt nervigem Husten. Und was macht man dagegen? Richtig, shoppen und Süßigkeiten essen. Also ging es vormittags noch schnell auf einen kleinen Markt irgendwo in der Stadtmitte, wo ich mir allerdings nicht viel kaufte, da ich dort das Gefühl hatte, als offensichtlicher Touri gleich mal das Doppelte des herkömmlichen Preises bezahlen zu dürfen. Und da man mit Frauen dort auch nicht verhandelt, verzichtete ich nun auf weiteren Schmuck (habe ja auch eigentlich aus der Türkei noch genug).
Am Abend ging es dann per Marschrutka zurück Richtung Georgien und bei meinem Glück war ich wieder die einzige Frau auf dieser Fahrt. So wurde mir an der Grenze netterweise mein Rucksack getragen und mit einem Hundeblick des georgischen Grenzbeamtens: „You’re so beautiful!“ kam ich schließlich erschöpft und krank, aber glücklich wieder in Georgien an…