Freitag, 8. Juli 2011

Zu den Wehrtürmen strömen die Touristen…


Noch sehr begeistert vom Aufenthalt in Kazbegi, ging es fast genau 2 Wochen später wieder in den großen Kaukasus. Dieses Mal führte mich der Ausflug nach Mestia, einer kleinen Stadt hoch oben in Swanetien.


Swanetien ist aufgrund seiner Lage noch sehr unberührt. Es erstreckt sich im Nordwesten des Landes nahe Abchasiens quer über das Massiv des Kaukasus. Mestia ist die Hauptstadt der Region und befindet sich in dessen Herzen auf 2200 m Höhe. 


Dort hoch muss man auch erstmal kommen. Mit einem Opel Vectra quälten wir uns die endlos gewundenen Straßen zu unserem Ziel entlang. Leicht übermüdet nach einem kurzen Zwischenstopp in Zugdidi, wieder bei Ratnas Familie, mit ca. 3 Stunden Schlaf, genossen wir die atemberaubende Aussicht. Grün soweit das Auge reicht. Die Natur konnten wir besonders bei unseren Pannen gut bestaunen: Schon auf dem Weg nach Zugdidi hatte wir eine Reifenpanne. Die Straße zwischen Gori und Kutaisi war wegen Überflutungen gesperrt, so mussten wir durch den Norden Imeretis. Auf dem Weg nach Mestia hatte dann unser Kühlwasserschlauch ein Leck, aber wieder schafften wir es dank der Hilfe netter Georgier schnell weiter.


Die Region Swaneti ist bekannt für ihre Wehrtürme, die rund um Mestia + Dörfern zu finden sind. Swaneti war schon immer ein schwer erreichbares Gebiet gewesen, sodass es wenige Kriege mit anderen Völkern hatte. Vielmehr waren Streitigkeiten zwischen Familienclans vorherrschend, sodass jede Familie einen Wehrturm für Kampfzeiten besaß. Dort flüchteten sich vor allem die Frauen und Kinder hinein bzw. dienten die Türme auch der eigenen Verteidigung. Sie besitzen dünne, schlitzartige Fensterlöcher, aus denen mit Pfeil und Bogen geschossen oder im Notfall auch mal mit Steinen geworfen wurde. 


In Mestia selbst sind heute noch 41 solcher Türme erhalten. Diese werden nachts künstlich beleuchtet und sind zusammen mit einem klaren Sternenhimmel wunderschön. Wir kamen allerdings am Tag an und verschafften uns erstmal einen Überblick über das kleine Städtchen mit seinen Geländewagen (der Opel Vectra fiel echt auf), Kühen und Straßenhunden. Eigentlich ein netter kleiner Ort, wären da nicht die ganzen Touristen und die Reaktion der Einheimischen auf diese. Seit letztem Jahr wird überall in Georgien Werbung für Mestia gemacht und es als der Touristenort im Kaukasus angepriesen. Ebenfalls wurde der Flughafen dort wieder eröffnet. Guesthouses und Hostels sprießen wie Unkraut aus dem Boden. Praktisch für alle Reisenden, den Swanen selbst scheint es aber nicht wirklich zu gefallen. Eine große Offenheit wie in den meisten Teilen Georgiens erlebten wir hier nicht. Kein Wunder, wer hat auf so viele Touris schon unbedingt Lust?


Trotzdem machten wir uns ein paar schöne Tage dort oben mit leckerem Essen und spazieren gehen. Das richtige Wandern fiel für dieses Mal leider flach, da ich ab dem zweiten Tag krank im Bett lag (ja, sehr selten hier ;-)). Die Rückfahrt war in Kombination mit meinem Gesundheitszustand auch sehr interessant: Gegen 6 Uhr fährt die einzige Marschrutka von Mestia runter nach Zugdidi und weiter nach Tbilisi. Am Morgen unserer Abreise allerdings nicht, so viel wie ich Verstand wegen Krankheit des Fahrers. So organisierte uns unsere Guesthousebesitzerin mithilfe einiger georgischer Männer noch in aller Frühe eine Marschrutka runter nach Zugdidi, in der Schlafen aber wegen der schlechtausgebauten Straßen doch recht schwierig war. In Zugdidi ging es dann auch gleich in die nächste Marschrutka weiter nach Tbilisi, welches wir trotz Umleitung in nur 3 Stunden erreichten. Unser Fahrer musste vorher Rennfahrer gewesen sein, so viele und waghalsige Überholmanöver habe ich noch nie gesehen. Aber wir kamen heil zuhause an und konnten uns vom Urlaub erstmal erholen. ;-)


Mein Fazit zu Mestia: Mestia ist ein echt schönes Städtchen in toller Natur und angenehmen Klima. Die Wehrtürme sind ein echtes Highlight. Doch merkt man leider deutlich, dass es wieder ein künstlich geschaffenes Touristenparadis ist, was gegen den Willen und zum Leid der Einheimischen geschah. Das nimmt dem Ort natürlich erheblich den Charme. Ich bleibe ein Fan von Kazbegi mit netten und glücklichen Menschen, einem schönen Felsmassiv und wenigen Touristen. :-)


Alle Bilder dazu HIER.

Sonntag, 3. Juli 2011

"Riecht wie in Österreich" ... Kazbegi 2.0

Besuchszeit im Juni: Pünktlich zum Sommeranfang kam für mich wieder Besuch aus Deutschland und brachte die Sonne mit. Die will natürlich auch genutzt werden. Der Plan war, ab mit dem Flugzeug nach Mestia. Aber wie immer in Georgien wird es mit Plänen nichts. Für mich war die Sonne zwar angekommen, aber der große Kaukasus im Westen des Landes hatte davon noch nichts mitbekommen. Wegen schlechten Wetters fielen 2 Wochen lang die Flüge aus. Also blieb nicht mehr viel auf der Höhe übrig, so entschlossen wir uns für Stepanzminda. 

Kazbegi von oben
Stepanzminda (auch bekannt als Kazbegi) liegt auf 1700m mitten im Kaukasus und ist nur durch die georgische Heeresstraße (Verbindung Georgiens mit Russland) erreichbar. Stepanzminda bekam ursprünglich seinen Namen nach dem Märtyrer Stephanus: Stepan ist klar, zminda = heilig. Im 20. Jahrhundert wurde die Stadt dann nach dem bekannten georgischen Schriftsteller Aleksandre Qasbegi umbenannt. Auf Straßenschildern findet man meistens jedoch immer noch den Namen Stepanzminda. 

Samebakirche
Und genau solche Schilder führten uns in der Marschrutka zu drei Tagen mitten im Kaukasus bei frischer Luft, Ruhe und toller Natur. Wie gesagt, ich war schonmal in Kazbegi, doch damals schafften wir es leider nicht zur Samebakirche hoch über Gergeti, von der alle Georgier zu schwärmen. Also stand natürlich als Erstes eine Wanderung dorthin auf dem Plan. Die Informationen zur Dauer der Wanderung  waren allerdings sehr unterschiedlich:
Die nette, alte Frau, bei der wir unterkamen (Luisa, geschätzte 100 Jahre alt, herzensgut und deutschsprechend) erzählte von 2 bis 3 Stunden, ein deutschsprachiger Reiseführer sprach von 4 Stunden, der Lonely Planet besagte 1,5 Stunden und Informationen von anderen Deutschen hier lauteten 30 min. Also liefen wir einfach mal drauf los. Meine Kondition war ja schon vor meiner Zeit hier in Georgien unsagbar schlecht, aber seit ich hier keinerlei Sport mehr mache, ist von Kondition nicht mal mehr zu sprechen. Etwa 2 bis 3 Stunden dauerte schließlich die Wanderung mit geschätzten 20 Pausen, vom kurzen Hinsetzen am Rand bis zum Picknick auf der Wiese, man kann den Weg dehnen. ;-)
Regen auf fast 2500 m abwarten
Total glücklich kamen wir schließlich bei der Kirche an, die ja auf Bildern immer so idyllisch wirkt. In unserem Panorama störten da etwas die 30 cm tiefen Furchen die Jeepkarawanen mehrmals täglich in die weite Wiese vor der Kirche fahren. Trotzdem wollte ich mir das Bauwerk mal anschauen, man hat sich ja nicht umsonst auf 2170 m gequählt. Als Belohnung gab es am Eingang auch gratis Röcke und Kopftücher zum kurzzeitigem Gebrauch während des Aufenthaltes in der Kirche. Ich muss dazu sagen, dass nicht überall in Georgien in den Kirchen Kopftuchpflicht herrscht, es ist eher selten. Dass mir ein Rock gereicht wurde, war sogar das erste Mal.
Wetter in den Bergen
Durch das erste Erfolgserlebnis angestachelt, raffte ich mich auch noch dazu auf, weiter zum eigentlich geplanten Ziel zu wandern, dem Gergeti Gletscher. Da wir zu faul waren, den ausgewiesenen Weg (irgendwo schlängellinienförmig durch den Wald) zu nehmen, erklommen wir den ersten Anstieg direkt quer Feld ein zwischen kauenden Kühen hindurch. Oben angekommen, überraschte uns nach der brennenden Sonne plötzlich ein sturzflutartiger Regenschauer. Schutz davor boten uns ein Vogelarteninformationsschild in Kombination mit einem kleinen Regenschirm. Unter Schild und Schirm hockend warteten wir nun wieder auf die gewohnte Sonne. Sie ließ zum Glück auch nicht lange auf sich warten, sodass ich weiter Richtung Ziel kriechen konnte. Und tatsächlich: Wir haben es geschafft! Voller Stolz hielt ich auf der Wiese vor dem Gletscher erstmal ein Nickerchen, während mein Besuch auf den Schnee zustürmte und freudig einen Schneeball formte. Das ist Anfang Juni ja auch etwas Besonderes. Auf unserer Wanderung war vor allem der Weg das Ziel, so hielten wir uns nicht lange am Gletscher auf, sondern wanderten glücklich, stolz und leicht erschöpft zurück Richtung Bett und Dusche. Die drei Tage in Kazbegi waren echt schön, insgesamt mit noch mehr kleinen Wanderungen, Sonne genießen, klettern, Kühe beobachten und es sich einfach mal gut gehen lassen, geprägt durch meine sich ständig wiederholende Feststellung: „Hier riecht es nach Kuhmist, ist ja fast wie sonst in Österreich. Schön!“ ;-)
Erholung am Gletscher

Nicht nur wir waren wandern.
Noch eine ergänzende Warnung zum Schluss, wo wir gerade bei Gerüchen waren (hat jetzt nichts mit Österreich zu tun ;-)): Man sollte im Sommer eher nicht mit der Marschrutka in den Bergen unterwegs sein. Nicht selten steigen georgische Bauern, die auf ihren Dörfern nicht über fließendes Wasser oder Deo verfügen. So erging es auch uns. Ich habe noch nie so eine eklige Kombination aus Käse-, Fisch- und Schnappsgeruch gemischt mit Schweiß und Tiermist gerochen. Also Vorsicht! Am besten mit Schnupfen verreisen. ;-)

Alle Bilder gibt es HIER.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Versteckspiel

Hier mal ein kleines Rätsel am Rande: Dieses Bild entstand gestern auf meinem Ausflug nach Uplisziche, einer Festungs- und Höhlenstadt in Innerkartlien. Die Umgebung dort gleicht etwas einer Halbwüste, kein Wunder, dass ich dort von der Sonne fast gegrillt wurde. Ein anderes Lebewesen fühlt sich da aber sehr wohl.

Aufgabe: Findet auf jedem Bild das Lebewesen, das sichtlich die Sonne genießt. :-) (einfach anklicken, dann öffnet es sich nochmal größer)
Nummer 1
Nummer 2
Nummer 3

Dienstag, 28. Juni 2011

Schule & Wein

Ja, die letzten Wochen waren wieder sehr ereignisreich: Besuch aus Deutschland, Urlaub, Festivals und auch die letzte Zeit in der Schule. Das Jahr hier in Georgien strebt immer steiler Richtung Ende, also kein Wunder dass auch mehr los ist. Man will ja noch so viel wie möglich erleben. ;-)


Und aus…


Vorletzte Woche haben die Ferien begonnen. Positiv: Ich habe mehr Zeit zum Reisen. Negativ: Die Zeit mit den Schülern und Lehrern meiner Schule ist größtenteils vorbei. Es sind mir alle wirklich sehr ans Herz gewachsen und am letzten Tag aus der Schule zu treten, war auch echt eine Überwindung. Besonders ist hier meine Theatergruppe mit Schülern der neunten Klassen zu erwähnen. Wir haben es in der letzten Schulwoche tatsächlich noch geschafft, ein Stück auf die Bühne zu bringen. Bei einem wochenendlichen Ausflug zum Schildkrötensee probten wir, was das Zeug hielt. Natürlich waren wir auch Schwimmen und Tretbootfahren. ;-)

Dadurch ging es mit viel Motivation an die Aufführung gleich am folgenden Dienstag. Ich bin persönlich sehr zufrieden mit dem Stück, die Stimmung hinter der Bühne war einfach total lustig und die Schüler hatten einen amüsanten Abschluss der Theatergruppe. Über die Qualität und Länger der Aufführung verliere ich hier mal besser kein Wort. ;-)
Gefeiert wurde das natürlich auch noch. Quatschen, kochen, tanzen und singen fanden auf unserem Dach statt und schickten die Schüler in die Ferien.

Auch mit den Lehrern  fand ein Abschiedsessen in/bei  Saguramo statt. Natürlich wurde gut gegessen und Geschenke gab es natürlich auch. Hier nochmal ein Danke für die schöne Zeit an der Schule, ich werde euch echt vermissen!



Wein „kosten“ kann in Georgien schonmal eine andere Bedeutung haben.


Noch vor dem Ende der Schulzeit schaffte ich es tatsächlich endlich mal nach Qvareli. Qvareli ist ein kleiner Ort mitten in Kachetien (der Weinregion Georgiens), östlich von Telavi kurz hinter Gremi. Ein echt kleines, verschlafenes Dorf und eigentlich uninteressant, wenn es dort nicht die Kinzmarauli-Weinkelterei gäbe. Kinzmarauli ist mein absoluter Lieblingswein hier in Georgien, da war es natürlich selbstverständlich, dass ich mir die Kelterei mal anschauen fahre. Meine Erwartungen wurden auch echt bei weitem übertroffen:
In der Weinkelterei angekommen empfing uns gleich Vano, welcher in Deutschland seine Ausbildung gemacht hatte und jetzt in der Kelterei für alles Mögliche verantwortlich war. Wir bekamen trotz leichter Katerstimmung seinerseits (kein Wunder bei dem Beruf ;-)) eine ausführliche Führung über das Gelände und natürlich im Anschluss eine Verkostung. Verkostung bedeutet in Georgien aber nicht, dass nach einen halben Gläschen Schluss ist. Nachdem wir unseren Favoriten gekürt hatten, ging es mit der Flasche erstmal zum Mittagessen. Zur Kelterei gehört ein kleines Restaurant im Freien, wo uns Vano zum Mittagessen einlud.

Was wir anbei erfuhren war, dass die Menschen in Kachetien angeblich weniger gastfreundlich sein sollen als im Rest des Landes. Wenn man gewohnt ist, dass Essen fast reingedrängelt zu bekommen (meistens der Fall) und darauf in Kachetien wartet, wird gesagt, dass man eher verhungern soll. Den Eindruck hatte ich nach dem Besuch der Kelterei nicht. Neben der Führung, der Verkostung und dem Essen bekamen wir zum Schluss auch noch 6 Falschen des leckeren Weines geschenkt, obwohl wir uns echt mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hatten. Schwer beladen und glücklich ging es am Abend also wieder zurück nach Tbilisi. (Ach ja, zwei Falschen sind sogar noch übrig.)

Und HIER alle Bilder zum Eintrag. :-)

Dienstag, 31. Mai 2011

Akhalzikhe & Vardzia

Vorletztes Wochenende ging es für mich in den Süden des Landes in die Region: Samtskhe Javakheti; Hauptstadt: Akhalzikhe. Und genau dort wohnt Martina, eine polnische Freiwillige, die uns netterweise bei sich aufnahm. Zu viert ging es am Freitagabend los, wie immer mit Marschrutka. Nach unserer Ankunft im dunklen Akhalzikhe ging es auch gleich in ein Restaurant, nach Martinas Aussage: „Das Beste der Stadt.“. 
Und was war auch wirklich lecker. Gestärkt und erkundungsfreudig brachen wir am Samstagmorgen nach Vardzia, einer Höhlenstadt südöstlich von Akhalzikhe, auf. Dort wanderten und kletterten wir dann, anfangs noch von zwei sehr zutraulichen Hunden begleitet, durch das Massiv. Später stand uns dann ein Priester zur Seite. Er führte uns zu einer Wasserquelle mitten im Berg, wo wir dann „Heiratswasser“ tranken. Heiratswasser in dem Sinne, dass seine Wirkung wohl eine baldige Hochzeit nach dem Verzehr ist. Ich fand es schmackhaft und nahm mir gleich 1,5 l davon mit. Den Weg nach draußen wählten wir quer durch den Berg, sehr spannend wenn man nachtblind ist. ;-)
Bevor es zurück nach Akhalzikhe ging, schauten wir uns noch ein Frauenkloster irgendwo am Ende einer Straße im Nichts an. Die jüngste Nonne dort was gerade mal 25 Jahre alt. Was bewegt einen wohl, so früh ins Kloster zu gehen? Ich lasse die Frage hier mal offen.
Nach dem Kloster war unser Ausflug aber noch nicht zuende, nein, Maya hatte uns einen Geheimtipp gegeben: Mitten im Nirgendwo solle es eine Kirche der heiligen Nino geben. Warum nicht? Also auf ging, ab ins Taxi, raus aus der Stadt und über Feld- bzw. teilweise Graswege, an kleinen Bauerndörfern und Felswänden vorbei hoch in die Natur über Akhalzikhe. 
Das Finden der Kirche was allerdings schwerer als gedacht. Eine kleine Wanderung brachte uns aber schließlich ans Ziel:Wirklich, die Kirche der heiligen Nino, mitten in den Fels geschlagen und scheinbar vergessen. Interessant auf jeden Fall, besonders die selbstgebastelte Georgienflagge darin. 
Damit war der Tag und der Ausflug für mich leider auch schon vorbei, am nächsten Morgen trat ich die Rückreise nach Tbilisi an. Schön war der Ausflug und ich bin froh, endlich mal wieder eine andere Region Georgien sehen zu können.

Dienstag, 24. Mai 2011

Und bald ist es schon wieder vorbei!

Endlich ist der Frühling und damit hier auch schon fast der Sommer da. Georgien wird grün, die Temperaturen in unserer Wohnung steigen kontinuierlich und die Dachterrasse kann endlich sinnvoll genutzt werden (nach monatelangem Dasein fristen als Raucherbereich).

Ja, es sieht schon fast wieder so aus, wie zu meiner Ankunft und damit wird mir doch stark bewusst: Bald ist mein Jahr hier schon wieder gelaufen. Die Zeit verging echt im Flug und es nagt schon etwas an mir, dass ich bald wieder zurück muss, wo ich mich doch hier so wohl fühle.
Deswegen gilt es für mich, die verbleibende Zeit hier nochmal richtig zu genießen. Und lustigerweise kann ich das gerade in der Schule mit am besten.

Meine Theatergruppe übt gerade fleißig an ihrem Stück für die Aufführung im Sommer, damit sie dort etwas Geld für einen zweitägigen Ausflug mit meinem Verlobten und mir sammeln können. Mit diesem Ausflug liegen sie mir nun, seit ich ihn vor 2 Wochen ansprach, in den Ohren. Die Route will ja sorgfältig geplant sein und an eine Übernachtungsmöglichkeit muss ja auch gedacht werden. Nun steht die Fahrt jedenfalls und bietet einen guten Anreiz, emsig an dem Theaterstück zu werkeln.

Ebenfalls die 9. Klasse erfreut mich momentan fast täglich mit Vorträgen über deutsche Bands, obwohl einige noch ausbaufähig wären.

Die 7. Klasse zeigte sich letzte Woche bei einem Besuch unserer Kulturweitvorsitzenden Fr. Veigel von ihrer besten Seite und als Belohnung dafür gab es einen Tag später auch für alle ein leckeres Eis und eine Spielstunde auf dem Sportplatz der Schule. Da ich aus dem Spielalter nun doch etwas raus bin, genügte mir das Zuschauen von den Randplätzen und einfangen der Sonne. Mit dem guten Wetter kam auch gleich die nächste Idee für eine abwechslungsreiche Deutschstunde: Ein Zoobesuch inklusive deutschsprachiger Führung von den Schülern für mich. Darauf bin ich ja mal sehr gespannt.

Gestern feierten die 12. Klassen an unserer Schule ihren „Bolo Zari“, das sogenannte „Letzte Klingeln“, was ungefähr dem letzten Schultag der Zwölfer in Deutschland entspricht. Als Besonderheit ist hier anzumerken, dass die georgischen Schüler keine einheitlichen T-Shirts drucken lassen, wie es sich in Deutschland zu großen Teilen schon etabliert hat. In Georgien kommen die Schüler in weißen Hemden bzw. Schürzen in die Schule, auf denen alle Zwölftklässler und Lehrer unterschreiben können bzw. schon müssen. So war ich die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt, bei Schülern auf allen mir möglichen Sprachen einen kleinen Glückwunsch zu hinterlassen. Die Vorführungen der Zwölfer waren auf jeden Fall etwas anders als das gewohnte Programm aus Deutschland. Scheint in Deutschland der Spaßfaktor und das Veralbern von Lehrern im Vordergrund zu stehen, so setzten unsere georgischen Schüler alles daran, zu zeigen, was sie können. Also genoss ich 2 Stunden Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel vom feinsten, hätte Georgien die Schüler zum Eurovision Songcontest geschickt, wäre ihm der erste Platz sicher gewesen. ;-)
Leider muss ich anmerken, dass die Konkurrenz zwischen den beiden 12. Klassen, welche die beiden Programme dominierte, in meinen Augen nicht gutzuheißen ist und es eher schade für den Anlass ist.

Spaß hatte ich den letzten Woche auf jeden Fall, ob nun in der Schule, auf Feiern (unter anderem auch bei uns zuhause) oder einfach an sonnigen Nachmittagen auf unserer Dachterrasse. Das Letztere hatte leider nicht selten einen Sonnenbrand zur Folge, ein kleiner Vorgeschmack auf den kommenden Sommer. Die Zeit hier in Georgien ist einfach schön, mir wird es schwer fallen, hier wieder wegzugehen und soviel zurückzulassen, aber solange ich noch hier bin, wird alles ausgekostet, was möglich ist. (Worüber ich euch natürlich auf dem Laufenden halte.)

Sonntag, 1. Mai 2011

ქრისტე აღსდგა!

Ostern, mein erstes großes Fest hier in Georgien und natürlich deutsch und georgisch gefeiert.

Für mich begann Ostern schon kurz nach meiner Ankunft aus Zugdidi mit einem Ostereierfärbmarathon, 50 Eier für 2 Schulen standen auf dem Plan. Geschafft hab ich es fast, auch wenn die Ergebnisse eher semigut waren. Zum Glück freuten sich die Schüler trotzdem, da sie selbst die Eier nicht in allen Farben färben. Als Erklärung dazu: In Georgien werden die Ostereier nur dunkelrot gefärbt, da sie im Korb an das Blut Christi erinnern sollen, dass von seinem Körper am Kreuz in einen Korb tropfte. Gefärbt wird mit der Wurzel Endro, die uns netterweise von unserer Nachbarin zur Verfügung gestellt wurde, sodass auch wir mal unser Glück mit ihr versuchen konnten. Als Warnung an alle, die auf diese Art und Weise färben wollen: Die Farbe ist auf den Eier zwar echt schön, geht aber aus dem verwendeten Topf nie wieder raus! Also am besten einen alten Topf nehmen und ihn jährlich wieder vorholen. ;-)

Neben roten Eiern gab es auch den traditionellen Osterkuchen Paska bei uns. Dieser erinnert mich persönlich mit seinem lebkuchenähnlichen Geschmack aber eher an Weihnachten als an Ostern. Egal, lecker war er.

Neben dem ganzen Essen, gab es natürlich auch andere Dinge an Ostern zu erleben. In Georgien gibt es z.B. auch Osterfeuer, jedoch nicht so wie in Deutschland. So zog ich am Mittwochabend mit Keti, Gvanca und Salo durch die Straßen Saburtalos und beobachte Kinder und Jugendliche, wie sie schreiend über Feuer verschiedenster Größe sprangen. Ein lustiger Brauch, sogar für die Kleinsten gibt es ca. 10 cm hohe Feuerchen.

Am Samstag nach dem Eierfärben ging es dann zur eigentlichen Osterparty bei meiner Lieblingsnachbarin, die uns mit ihrer Mama super bekochte und rundum versorgte, bis es gegen ca. 0 Uhr zur Kirche ging. Zuerst ging es für mich erstmal zu einer kleinen Kirche in Vera, die gleich neben einer russischen Kirche liegt. Dort angekommen quetschten wir uns schön in die Mitte der Menschenmenge und genossen das Glöckenläuten, Gesänge und liefen traditionell 3 Runden um die Kirche. Warum? Keine Ahnung.

Danach ging das große Futtern dann erstmal weiter, bis ich gegen 4 Uhr morgens dann doch noch in unsere gigantische Samebakirche aufbrach, in der Hoffnung, dort noch einen Blick auf den Patriarchen zu erhaschen. Das schaffte ich letztendlich auch, leider musste ich mich mehrmals mit georgischen Priestern auseinandersetzen, die mich immer verscheuchen wollten, da ich anscheinend falsch stand (nämlich dort, wo nur Männer stehen durften). Das Thema orthodoxe Kirche und Frauen lasse ich hier jetzt einfach mal so stehen. Fazit: Patriarch gesehen, das reicht erstmal.

Das war so grob mein Osterfest. Als Ergänzung ist noch eine georgische Ostertradition zu nennen, an der ich nicht teilnahm. Am Montag ist das Essen mit den Toten, d.h. die georgischen Familien gehen mit Essen und Trinken bepackt auf den Friedhof zu ihren Verstorbenen und essen an einem festen Tisch neben dem Grab. Dabei bekommen die Toten natürlich auch Essen und als Getränk meist Wein auf das Grab gelegt bzw. geschüttet. Nicht selten gibt es auch noch eine zum Rauchen dazu. ;-)
Eine sehr schöne Tradition, wie ich finde, die man sich in Deutschland mal durch den Kopf gehen lassen sollte...
Hier natürlich wie immer mehr Fotos vom Osterspektakel:
http://jessicaingeorgien.wordpress.com/2011/05/01/581/