Mittwoch, 22:55 Uhr: Start! Auf geht es in die Türkei, oder besser erstmal mit dem Nachtzug nach Batumi. Wie die meisten Verkehrsmittel in Georgien war auch unser Zug früher scheinbar einmal in russischen Händen gewesen, wovon der äußere Farbanstrich auf den ersten Blick noch versuchte abzulenken. Doch wenn ich Erzählungen meiner Mama und einiger Freunde Glauben schenken darf, war der erste Schein nur Tarnung, innen begeisterte unser Zug durch platzsparende Käfighaltung und zusätzlich Aufpasser, die streng auf die Ruhe von uns Chicken Nuggets achteten. Jede Kabine, schätzungsweise 1,5 m x 2 m hat vier Betten, die im Regelfall auch alle belegt sind. So wundert es nicht, dass ich bei uns gleich mal nette Leute traf, eine georgische Dirigentin, die gerade aus LA für ein Konzert in ihre Heimat zurückgekehrt war, ihre Tochter und einen Weltenbummler aus Malta. Das machte den ersten Teil der Fahrt schon sehr interessant, der zweite hielt dann einige Hindernisse bereit, z.B. eine nichtfunktionsttüchtige Klimaanlage, sowie ein georgisches Zugklo. Zweites werde ich besser nicht so genau ausführen, mein Fazit ist nur: Ich werde mich nie, nie wieder über Zugtoiletten der DB beschweren! Der erste Teil mit der Klimaanlage war da bald noch etwas problematischer… Ich schlafe ja gewohntermaßen lieber in den oberen Betten, solange ich die Wahl habe, hier jedoch räumte ich diesen Platz schnell wieder, da sich in unserer Kabine rasant Temperaturen von mind. 40 °C entwickelten und es unten an der Tür doch schon etwas besser auszuhalten war. Wie man sich sicher schon denken kann, ja, das Fenster ließ sich nicht öffnen, lediglich die Tür. Jedoch sorgten sich im Zug scheinbar auch ein paar Polizisten um die Nachtruhe, sodass diese regelmäßig wieder geschlossen wurden, sobald ein Chicken Nugget das Licht des Flures erblickte. In unserem Fall, war das aber gar nicht erst nötig. Unsere Kabinenmitbewohner mochten scheinbar die warme Luft und es entstand in Wechsel zwischen ihnen und mir, Tür zu und Tür wieder auf. Zum Glück schlief die nette Dame aus LA sehr fest und unüberhörbar, dass auch ich die meiste Zeit schlummern konnte, versiegte einmal die Rodung der umliegenden Wälder, konnte ich mich ruhig darauf einstellen, in den nächsten 5 min die Tür wieder öffnen zu müssen.
Überlebt haben wir die Zugfahrt trotzdem, wie ist egal, aber wir schafften es. Nun ging es in Batumi erstmal ans Frühstücken und anschließend zum Strand, um etwas die kühle Meeresluft genießen zu können. Batumi ist um diese Jahreszeit leider etwas zu kalt und zu windig zum Baden, doch reicht schon der Blick auf das Meer, der zu unserem Glück auch nicht verregnet war, was sonst dort häufig der Fall sein soll.
Nach der Ruhepause und immer noch ohne Dusche ging es dann weiter zur Grenze zwischen Georgien und der Türkei. Ein echt schönes Gebiet mit Gebirge und Meer zu beiden Seiten. Auch hier wurden wir als scheinbar betuchtere Europäer, die sich schon etwas über den Anblick einer sich im Bau befindenden georgisch-orthodoxen Kirche und einer Moschee in schätzungsweise 500m Entfernung (Luftlinie) befanden, erkannt und entweder angebettelt und winkend begrüßt. Unsere erschöpfte Erscheinung änderte an beidem nichts. Die Grenzbeamten dagegen hatten erstmal Spaß mit unseren Pässen bzw. den Namen darin, manche waren für sie wohl doch etwas seltsam, so brach sich eine jüngere Grenzerin fast die Zunge an meinem Nachnamen.
Nach der Grenze folgte dann eine kurze Taxifahrt nach Hope, von wo aus wir unseren Bus nach Trabzon nehmen wollten. Bei der Ankunft erlitt ich den ersten Kulturschock, vor mir war schon mein Gepäck aus dem Auto ausgestiegen und mit netten Leuten von Busfirmen in ihre Büros verschwunden, wo es freudig mit diesen auf mich für die nächste Busfahrt wartete. Wir entschieden uns dann schließlich auch für einen Bus, der uns sicher und wohlbehalten nach Trabzon brachte.
Geld holen, türkischer Döner und wieder einer kurze Taxifahrt später erreichten wir dann auch unseren Schlafplatz bei dem netten und äußerst gastfreundlichen Couchsurfer Ege, der uns alle 6 trotz Prüfung am nächsten Tag freudig aufnahm und uns gleich mal ein türkisches Pub zeigte. Ein sehr schöner Abend…
Eigentlich sollte es auch bei einer Nacht bleiben, doch die Dusche am nächsten Morgen überzeugte mich doch: Ich bleibe noch eine Nacht! Damit war ich auch nicht allein, bis auf Magnus erfüllten wir alles Eges Wunsch und blieben noch eine Nacht länger. Verstärkung bekamen wir auch, ein holländischer Couchsurfer gesellte sich zu uns. Der Tag war dann natürlich ideal, sich Trabzon genauer anzuschauen, ein Museum, von dem man eine echt schöne Aussicht hatte, machte den Anfang (also das Museum war besser gesagt eine Kirche). Danach schlenderten wir noch durch die Stadt, kauften etwas ein, entspannten im Atatürkpark und Konrad, Kai und ich besichtigten noch schnell eine Moschee. Letzteres war etwas seltsam für mich, da ich keine Ahnung hatte, wo ich überhaupt hingehen oder was ich tragen sollte. Aber ein netter Türke wank mich freudig in den Gebetsraum der Männer, sodass ich mir diesen auch ruhig anschauen konnte. Am Abend hatten wir alle dann noch viel Spaß mit Egge und seinem holländischen Freund, bis ich zumindest fast tot ins Bett fiel in Erwartung einer 14-stündigen Busfahrt am nächsten Tag…
Und nochmal eine Dusche, etwas chillen und Beine ausstrecken, dann ging es am Samstagabend in den Bus nach Kayseri und wieder hatten wir das alt bekannte Problem der Wärme. Der Bus hatte gefühlte 40°C, was wir nach langem Rätseln auf die Heizung zurückführen konnten, die auf scheinbar die ganze Zeit auf oberster Stufe lief. Von Kayseri sahen wir zunächst nur den Busbahnhof, da wir gegen Mittag gleich weiter nach Göreme fuhren, einer kleinen touristenüberlaufenen Stadt mitten in der Türkei, wo sich Höhlen aus dem 10. Jahrhundert befinden, die wir uns auch gleich anschauten. Diese schönen Höhlen sind zum größten Teil Kirchen, oder ich habe andere einfach nicht gefunden, die bei der Hitze in Göreme ganz angenehm zu besuchen waren. Für weitere Kühlung beschlossen Konrad und ich uns einen Roller zu leihen und noch die Umgebung zu erkunden, da Göreme doch sehr klein ist und es in der Umgebung noch viele Sehenswürdigkeiten zu entdecken gibt. Leider durfte ich aufgrund eines fehlenden Führerscheins nicht fahren, so war ich wieder schmückender Beifahrer und der einzige mit einem Orientierungssinn bzw. einer Ahnung wo es hingehen sollte. So fanden wir auch zum Love Valley , ein Tal mit besonderen Felsformationen, die jeder, der Interesse hat mal selbst googlen kann, da ich nicht weiß, ob mein kleiner Bruder das hier liest. Unterwegs trafen wir auch Kai, der mit einem Quad die Umgebung unsicher machte und fuhren noch eine Weile zusammen durch die Nacht. (In der Türkei wird es gegen 16:30 Uhr etwa schon dunkel.) Haken: Kai hatte kein Licht, weshalb wir ihn hinter uns häufig nicht sahen und ihn schon als vermisst melden wollten.
Nach 2 Stunden Fahrspaß und noch einer kleinen Stärkung (ja, wieder Döner) ging es wieder zurück nach Kayseri und auf die Couch von netten türkischen Studenten, wo ich sehr gut und fest die 3- 4 Stunden schlief.
In aller Frühe ging es dann nach Ankara, wo ich jetzt immer noch bin und worüber ich dann vielleicht demnächst mehr berichte. Soweit erstmal bis dann!
Die Jessi