Donnerstag, 17. Februar 2011

Hals- und Beinbruch

Woher wissen denn das alle immer vorher? Eine Frage, die ich mir jedes Mal stelle, wenn ich zu irgendwelchen sportlichen Aktivitäten aufbreche. So auch dieses Wochenende...


Schon bevor ich im Dezember wieder nach Georgien kam, hatte ich mich entschlossen: Georgien hat tolle Skigebiete, die werden erkundet! Gesagt getan, aus Deutschland schnell den Skianzug mitgeschleppt, in Tbilisi noch schnell den Rest gekauft und es kann losgehen. Oder auch nicht. Fast den gesamten Januar über lag kein Schnee. Etwas befremdlich, wenn man aus dem verschneiten Deutschland zurück in den Kaukasus kommt, vom Flachland mit 1 m hohem Schnee ins Gebirge mit 0. Sehr schön. Aber Ende Januar war es dann soweit, endlich grünes Licht, es liegt Schnee. Es geht los. Oder auch wieder nicht. Irgendwie scheint die Erdanziehungskraft in Georgien stärker zu sein, als woanders, jedenfalls war ich jeden Samstagmorgen zur geplanten Abfahrtszeit noch unüberwindlich ans Bett gefesselt. Okay, musste der Schnee eben warten. Bis zu diesem Wochenende...
Der Erdanziehungskraft ein Schnippchen schlagend, beschloss ich, dieses Mal freitags aufzubrechen. Natürlich verlief auch hier wieder nichts nach Plan, statt wie vorgesehen 16 Uhr die Stadt zuverlassen, schafften wir es erst ca. 19 Uhr, was nach mehr als 3 Stunden Fahrt dann die Unterkunftssuche etwas erschwerte. Aber da griff uns der nette Marschrutkafahrer kräftig unter die Arme, telefonierte sich die Finger wund, manövrierte uns in eine andere Marschrutka, die uns dann in ein wunderschönes, kleines Hotel mit netten Besitzern brachte. Wo wir voller Vorfreude endlich zur Ruhe kamen...
Am Morgen ging es dann für wochenendliche Verhältnisse sogar sehr früh raus und Richtung Piste. Und dort ging es dann erstmal ab, gleich zu Beginn auf die rote Piste und wie immer rutschte ich den größten Teil der Piste auf dem Rücken, Po oder Bauch hinunter. Einen Looping habe ich sogar auch geschafft. Einen herzlichen Dank an dieser Stelle an Konrad, der so schnell und besonnen reagierte, wie es nur ein echter Freund kann. Viel Spaß mit seinen Bildern von meinen Stürzen. ;-) Normalerweise machen mir Stürze ja nichts aus, bin ich ja gewohnt, aber leider schienen meine Ski zu stark eingestellt zu sein, jedenfalls ruppte es mir bei einem meiner unfreiwilligen Stunts fast das rechte Bein ab. Keine Ahnung, wie ich doch noch aus dem Ski kam, er war noch zu, als ich ihn fand, aber irgendwie ging es. Mit verdrehtem Knie und etwas geknicktem Daumen ging es dann weiter, zum Rumsitzen macht das Fahren eben doch zu viel Spaß. Nach der zweiten Fahrt fiel ich auch zum Glück nicht mehr hin, juhu! Scheint ja doch was zu werden, dachte ich, bis in der letzten Runde doch mein Handy plötzlich klingelte und ich abgelenkt eine Eisfläche übersah. Davon gibt es leider kein Bild, aber vorstellen kann man es sich bestimmt. ;-)
Der Abend endete dann mit einer weiteren Lerneinheit, dieses Mal aber ungefährlicher: Ich lerne hier in Georgien Skat. Seit etwa einem halben Monat mühen sich Hardy und mein Mitbewohner ab, mir die Logik dieses Spieles näherzubringen. Sagen wir mal so, sie hatten im Leben bestimmt schon schnellere Erfolge. ;-)
Der letzte Tag war dann leider sehr kurz, aber trotzdem super gemütlich. Wir sind eben echt Skiprofis. Nach einer halben Stunde zur Piste latschen steigt man nicht gleich in den Lift, nein, man geht erstmal in der urige Restaurant gegenüber und genießt am Kamin die Vorfreude auf das Fahren. Ein echtes Gefühl von Urlaub machte sich in mir breit, so kann das öfter gehen. Die Piste, die wir dann testeten, war allerdings kein Urlaub mehr. Ich stand mit ihr von Anfang an auf Kriegsfuß, was sich auch bis zum Schneesturm, der auch den Rest meiner sportliche Motivation wegwehte, nicht änderte. Also ab in die Marschrutka zurück, dort wie eine kleine Ölsardine fühlen und nach einer schnellen Fahrt mit fantastischen Blick auf den Sonnenuntergang hinter dem Kaukasus wieder in den eigenen vier Wänden... Leider ein Urlaub wieder vorbei, aber die Erinnerungen, Bilder und Schmerzen bleiben erstmal. ;-)

Montag, 7. Februar 2011

Gilocav Tamta!

„ Ah, meine Liebe, wie war es in Armenien? Du kommst aber auch immer krank aus dem Urlaub zurück!“ Mit diesen Worten begrüßte mich Teo einen Tag nach meiner Rückkehr nach Georgien und ja, sie hatte es wie immer erfasst. Aber viel Zeit zum Ausruhen und Gesundwerden bleibt einem auch einfach nicht, Tiflis schläft eben nie… Also fast…

Ich fühle mich einfach pudelwohl in Georgien, was ich nicht zuletzt auch meiner lieben, georgischen Familie hier zu verdanken habe, die mich einfach immer mit offenen Armen empfängt und stehts um mein leibliches Wohl besorgt ist. So kam ich nach meinem Urlaub zu Tamtas Geburtstagsfeier und selbst in dem Stress der Partyvorbereitungen, bemerkte Deda, dass ich scheinbar wieder etwas abgenommen hätte. Und das geht ja nicht! Also ran an den Tisch geschoben und alles drauf auf den Teller. Normalerweise stört mich so eine starke Fürsorge ja, aber bei dem leckeren Essen, kann man sich einfach nicht wehren. ;-)

Meine Schwester Teo und ich...
Untermalt wurde das Essen von unzähligen Trinksprüchen auf Gott, Tamta, ihre Eltern, Georgien, Racha und zu fortgeschrittener Stunde auch auf mich, obwohl ich aufgrund der Sprachbarriere niemanden verstand, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Zum Glück habe ich ja meine private Dolmetscherin. ;-) Zwischen den Trinksprüchen wurden noch georgische Lieder angestimmt, mal besser mal schlechter, und tanzen kann man in dem kleinen Wohnzimmer trotz schon reingezwängten 15 Leuten auch noch. Insgesamt ein sehr schöner und lustiger Abend, ich bin schonmal auf Teos Geburtstagsfeier gespannt…

Montag, 31. Januar 2011

Armenien Teil 2

Wie schon vor einer Weile versprochen, hier der zweite Teil meines Armenienberichtes. 

(+ jetzt auch endlich alle Bilder:  http://jessicaingeorgien.wordpress.com/2011/02/04/armenien-teil-2/)

06.01.2011: Frohe Weihnachten!

Nach unserem spannenden Ausflug mitten ins Nirgendwo, folgte am nächsten Tag zu meiner Überraschung das armenische Weihnachtsfest. 
Noch ganz georgisch eingestellt, hatte ich dieses für den 07.01. vermutet, nicht schon am 06.01. Aber man ist ja spontan, also ging es früh am Morgen nach Ejmiatzin, einer Stadt nicht weit von Jerewan entfernt, zum Weihnachtsgottesdienst oder so (bin mir nicht sicher, wie es in Armenien genannt wird). Gut gewärmt von den gefühlten 500 anwesenden Menschen, lauschte ich dann ca. 2 Stunden den Gesängen eines echt guten Chores rechts von mir, sowie den Predigten und Liedern der vorne stehenden Priestern. Wie auch in georgischen Kirchen befinden sich in den armenischen keine Bänke, sodass mich schließlich meine schmerzenden Gliedmaßen wieder raus in die Kälte trieben, was ich bei den vorherrschenden -10°C schnell bereute. Trotzdem war der Gottesdienst sehr schön, die Atmosphäre in der großen Kirche mit all den Menschen, den Gesängen und im Licht der unzähligen Kerzen faszinierte mich schon sehr, ein gelungenes zweites Weihnachtsfest eben. ;-) 


07.01.2011: Irgendwie komme ich nicht vom Fleck...

Der nächste Tag sollte dann etwas Sport für mich bringen, wer mich kennt, kann sich meine Begeisterung vorstellen, aber ich bin ja immer offen für Neues. Doch vor meinem Highlight des Tages, ging es erstmal wieder ein paar Runden durch die Stadt und Shoppen. Und wie klein ist die Welt, da trifft man am Platz der Republik auch gleich eine andere Kulturweitfreiwillige aus Georgien. Armenien scheint doch beliebt zu sein. ;-) 
Nun ging es noch kurz zu einem der Wahrzeichen Jerevans, dem Zizernakaberd (Genocide Memorial) oberhalb des Sportkomplexes. Dass in Armenien die Vergangenheit immer noch sehr wichtig zu sein scheint, hatte ich ja schon bei einigen Gesprächen erfahren und wurde mir dort auch noch einmal bewusst. Neben einem riesigen Obelisken, befindet sich eine runde Einbuchtung, in deren Mitte ein ewiges Feuer zum Gedenken der Opfer des Völkermordes an den Armeniern von 1915. Der Boden des Denkmals fällt zum ewigen Feuer hin ab, ebenfalls in dessen Richtung sind die ringsherum liegenden Säulen geneigt. Ich weiß, ich kann sowas schlecht beschreiben, also schaut euch lieber einfach die Bilder an. Jedenfalls ein sehr beklemmendes Gefühl darin, Respekt an den Architekten.
Nach der Besichtigung jedenfalls kam mein Höhepunkt des Urlaubs: Schlittschuh laufen. Das letzte Mal, dass ich auf den Teilen stand, ist eine gefühlte Ewigkeit her, was in Kombination mit meinem eher schwach ausgeprägten Gleichgewichtssinn und mangelnden Inlineskate-erfahrungen eher ungünstig für das Eislaufen ist. Nichts desto trotz, man muss ja alles mal gemacht haben. Also rein in die Schuhe, zum Eis damit stolpern und los geht’s. Oder auch nicht, wenn man nicht vorwärts kommt, so wie meine Person. Also was macht man? Richtig, ich habe mich ziehen lassen. Das kann ich auch inzwischen recht gut. ;-) Eine Stunde mühte ich mich ab, irgendwie vom Fleck zu kommen, doch alle Erklärungsversuche, die Bande, mitziehen lassen und Unterstützung wie: „ Das ist wie Skifahren.“ Halfen recht wenig. Was Sport angeht, bin ich einfach unbegabt, danach hat sich auch nach mehr als einem Jahr Auszeit vom Schulsport nichts geändert. Naja…
Froh und glücklich wieder auf festem Boden angekommen, wurde abends dann wieder die Stadt unsicher gemacht, ungünstig wenn am nächsten Tag erneut ein Ausflug ansteht.


08.01.2011: Der Verfasser des Reiseführers war wohl ein Visionär.

Auch in Armenien gibt es McDonald's!
Trotzdem habe ich es geschafft, pünktlich aufzustehen und mich in die Marschrutka Richtung Gyumri zu schleppen. Gyumri erinnerte mich dann wieder sehr an Georgien. Eine kleine Stadt und das Einzige, was man eigentlich besichtigen kann, sind Kirchen. Und ratet, was wir gemacht haben! Richtig, Kirchen angeschaut. 
Die Erste bestand komplett aus schwarzen Steinen, was ich sehr schön fand und war im Inneren auch sehr gemütlich. Bei der Zweiten musste ich schon sehr, über den Visionär lachen, der den Armenienreiseführer des Trescherverlages verfasst hatte. Schade, dass er das hier wahrscheinlich nicht liest, sonst würde ich ihm sagen: „Nein, die Kirche erstrahlt noch nicht im Glanz und der ursprünglichen Pracht.“ Was da nämlich vor uns lag, war eine eingestürtzte Kirche (durch ein Erdbeben zerstört) mit einem Baukran daneben, der sich wahrscheinlich schon seit Monaten nicht mehr bewegt hatte. Da hatte der Verfasser des Reiseführers wohl nicht mit den armenischen Bauzeiten für Gebäude gerechnet, schade, aber vielleicht ist der Reiseführer ja in 3 Jahren aktuell, wer weiß. ;-) 
Ansonsten fanden wir noch eine russische Kapelle zum Besichtigen, die im Inneren allerdings auch noch nicht fertig war, sodass wir einem Maler auf seinem mehr als klapprig zusammengesteckten und furchtbar knarksenden Gerüst dabei zuschauten, wie sein Engel an der Wand immer mehr Farbe erhielt. Wie auch Georgien, hat Armenien jedenfalls auch eine Mama, die oben über der Stadt Gyumri tront und man von der eben genannten Kapelle aus sehen kann, von Nahem habe ich sie leider nicht gesehen…

Modernes Karussell

09.01.2011: Hust!

Der Tag in Gyumri war sehr schön, wenn auch wieder sehr kalt, was nach fast einer Woche nun am letzten Tag schließlich dazu führte, dass eine Erkältung bei mir Einzug hielt. Wie kann es auch anders sein, Jessi kommt ja immer nur krank aus dem Urlaub bzw. von einer Reise zurück. So war der letzte Tag eher ein Rumgeschleppe mit verstopfter Nase, tränenden Augen und echt nervigem Husten. Und was macht man dagegen? Richtig, shoppen und Süßigkeiten essen. Also ging es vormittags noch schnell auf einen kleinen Markt irgendwo in der Stadtmitte, wo ich mir allerdings nicht viel kaufte, da ich dort das Gefühl hatte, als offensichtlicher Touri gleich mal das Doppelte des herkömmlichen Preises bezahlen zu dürfen. Und da man mit Frauen dort auch nicht verhandelt, verzichtete ich nun auf weiteren Schmuck (habe ja auch eigentlich aus der Türkei noch genug).
Am Abend ging es dann per Marschrutka zurück Richtung Georgien und bei meinem Glück war ich wieder die einzige Frau auf dieser Fahrt. So wurde mir an der Grenze netterweise mein Rucksack getragen und mit einem Hundeblick des georgischen Grenzbeamtens: „You’re so beautiful!“ kam ich schließlich erschöpft und krank, aber glücklich wieder in Georgien an…

Dienstag, 11. Januar 2011

Silvester und Armenien Teil 1

Teil 1:
03.01.11: Die etwas andere Hinfahrt und ein schöner Abend in einer Bar.
04.01.11: Besichtigung Yerevan, armenisches Neujahrsessen
05.01.11: Fahrt nach Khor Virap und Dvin
Teil 2:
06.01.11: Armenisches Weihnachten – Gottesdienst in Ejmiatzin und abends wieder unterwegs
07.01.11: Ausschlafen, Yerevan, Schlittschuhfahren
08.01.11: Fahrt nach Gyumri
09.01.10: Letzter Tag: Vernissage und Grand Candy!!! + Rückfahrt

Silvester
Ein frohes Neues wünsche ich euch allen! Ich hoffe, jeder ist gut reingerutscht. Ich auf jeden Fall, auch wenn ich nicht allen Partyeinladungen nachkommen konnte, die ich hatte, so habe ich doch 3/5 geschafft. Es war dadurch anfangs etwas hektisch, aber trotzdem überall sehr schön und ich konnte so gleich dreimal das typisch georgische Neujahresfest erleben. Ein Problem gab es dabei nur: das Essen! Egal auf welcher Feier, überall gab es viel zu viel zu Essen, wovon man auch alles probieren sollte. Das hatte ich vorher allerdings etwas verdrängt, sodass ich mich schon beim ersten Treffen maßlos überfutterte. Ein reichhaltig gedeckter Tisch bot einfach alles, was man wollte (Ente, Fisch, Chatchapuri, Lobiani, Salate und und und...). Dieses reichhaltige Angebot variierte im Laufe des Abends zwar etwas, aber viel war es immer und jedes Mal ziemlich lecker! Was es zum Essen so leckeres zu trinken gab, verrate ich hier aber nicht. ;-) Jedenfalls schaffte ich es dann doch noch, mich gegen 7 Uhr nach Hause zu rollen...
Viel Zeit zum Erholen blieb mir aber nicht, dann es sollte ja wieder weiter gehen...

03.10.2011: Anreise
Armenischer Sonnenuntergang
Am Montag hatte ich dann vor nach Yerevan zu reisen und dort endlich die anderen Kulturweitfreiwilligen zu besuchen. Doch wie man es in Georgien schon kennt: Es läuft nichts nach Plan! Die Marschrutkas fuhren aus einem mir unverständlichen Grund an diesem Tag nicht (unverständlich in dem Sinne, dass ich die alte Frau, die wild mit ihren Armen wedelte und irgendwas auf Russisch dazu sprach, wieder nicht verstand). Aber der Zufall kommt einem meistens ja sehr gelegen, so entdeckten ein paar Reisende weiter mein Leid und teilten dieses, sodass wir uns ein Sammeltaxi nehmen konnten. Also ging es mit einem kleinen georgischen Taxi, darin gleich vier Nationen vertreten (Georgien, Türkei, Iran und Deutschland natürlich), zur georgisch-armenischen Grenze. Diese liegt mitten in der Einöde zwischen ein paar Bergen und auf beiden Seiten einem gemütlichen Dörfchen. Problem nur: Wir brauchten alle ein Visum, dass man in AMD (Armenischen Dram) zahlen muss und am besten passend, da nicht gewechselt wird. Natürlich hatte ich keine dabei und außer unserem iranischen Mitreisendem sonst auch keiner, so spendierte er uns erstmal allen das Visum. Anmerkung an dieser Stelle: Geld wechseln an der Grenze geht nicht, da sich in dem Dorf davor keine Möglichkeit dafür findet. Genau auf der Grenze zwischen beiden Ländern hinter der Schranke befindet sich eine Möglichkeit, allerdings braucht man das Visum, um hinter diese Schranke zu kommen, etwas doof. Egal, wir schafften es trotzdem alle. Weiter ging es also nach Yerevan. Eigentlich hatte ich geplant, am Hauptbahnhof rausgesetzt zu werden, da aber unser Taxifahrer keine Ahnung hatte, wo sich dieser befand, wurde ich mit zum Flughafen geschliffen. Von dort aus, würde ich mich bei den anderen Freiwilligen melden und schon eine Möglichkeit finden, in die Stadt zu kommen. Allerdings gab es auch an diesem Plan wieder einen Haken: Weder meine georgische noch meine deutsche Simkarte hatten in Armenien Empfang. Unser netter Iraner, der uns schon an der Grenze den Hintern gerettet hatte, aber dafür auch die restliche Fahrt nicht davon abließ, uns auf schlechten Englisch zu erklären, dass die iranischen Frauen die Schönsten der Welt wären und so weiter, kam mir auch hier wieder zu Hilfe. Er hatte als Einziger eine armenische Simkarte dabei, die nur noch etwas Geld brauchte und es konnte losgehen. Also genoss ich noch etwas den Flughafen in Yerevan und ein Gespräch auf Georgisch mit dem Taxifahrer, bis ich schließlich aufgesammelt wurde. Gott sei Dank angekommen, darauf erstmal einen leckeren Cocktail...

04.01.2011: Besichtigung Yerevans und ein armenisches Neujahresessen
Blick von den Kaskaden
Am nächsten Tag ging es dann erstmal an die Besichtigung Yerevans, also z.B. erstmal im Nebel halb die Kaskaden hochgelaufen (der ganze Weg hätte sich bei der mangelnden Sicht ja nicht gelohnt :-)) und auf dem Platz der Republik die Reste des Neujahresfestes anschauen.
Nach einem schnellen Kirchenbesuch ( ja, von denen gibt es auch in Armenien genug) kam dann der Hauptpunkt des Tages: Ein traditionelles Neujahresessen bei einer armenischen Familie. Unsere Gastgeber waren echt total nett und die ganze Zeit um unser Wohl besorgt, sodass ich nach den gefühlten 15 Gängen mehr als satt war... Die Hälfte von uns folgte dann einer weiteren Essenseinladung, die andere Hälfte, zu der auch ich gehörte, ging nach Hause und führte lange, interessante Gespräche bei Tee und Schokolade. Man kann sich vorstellen, wie die Anderen vom zweiten Essen nach Hause kamen und an dem Abend nichts mehr, was nur entfernt mit Bewegung zu tun hatte, möglich war. So wurden die Aktivitäten auf den nächsten Tag verschoben...

05.01.2011: Khor Virap und Dvin
Ich beim Klettern im Kloster

Dieser führte mich zum ersten Mal raus aus Yerevan nach Khor Virap, einem alten Kloster im Süden des Landes, indem einem der „Kirchenvater“ Gregor 15 Jahre in einem Loch eingesperrt gewesen sein soll, bevor er den Herrscher, der ihn einst einsperrte, heilte und zum Dank freigelassen wurde, sodass er im ganzen Land Kirchen errichten konnte. Die Geschichte klingt schon ultra spannend, passend zu der Fahrt zur Kirche. Ursprünglich war geplant, eine Marschrutka bis genau vor die Tore unseres Zieles zu nehmen, es gab aber keine, also nahmen wir auf Anraten eines Armeniers einen Bus bis mitten in die Pampa einige Kilometer vor der Kirche. Dieser wollte uns auch noch in sein Heim einladen, nachdem er aber langsam anfing, uns etwas unheimlich und sehr unangenehm aufzufallen, hielten wir das nächste Taxi an (ja, mitten im armenischen Nirgendwo fahren auch Taxen) und ließen uns schnell zur Kirche bringen. Dort stand dann eine etwas andere Touribesichtigung an. In Deutschland undenkbar: ein 10 m tiefes Loch, in das man ohne Sicherung oder Menschen in der Nähe über eine alte, wacklige, rostige Leiter steigt. Ja, wir haben es gemacht. Wie das so etwa aussah, vermitteln die Bilder, die der Philipp mir netterweise gesponsert hat, da ich mit anderen Sachen beschäftigt war, als Fotos zu machen. Aber spannend war es trotzdem, deswegen kletterten wir auch aus Spaß gleich zweimal, gegenüber des großen Loches befindet sich nämlich noch ein kleineres, das „Kinderloch“, in das man eher kriechen muss, aber es auch nicht so tief runter geht. In die Kirche vor Ort gingen wir natürlich auch noch, an dieser hing auch gleich ein nettes Schild, dass auf die dortige Kopftuchpflicht hinwies, die übrigens nicht in allen armenischen Kirchen besteht, jedenfalls in den meisten, die ich sah, nicht. Vor dem Rückweg gab es dann auf dem Hügel neben der Kirche noch einen leckeren Gipfelkeks und weiter ging es. Da uns das Taxi nach Artashat? zu teuer war, entscheiden wir uns bei gefühlten -10°C mitten durch das armenische Nirgendwo zu latschen und einfach zu hoffen, das irgendwann mal eine Marschrutka vorbeikommt. Letztendlich sammelte uns 100 m vor dem uns schon bekannten Dörfchen mit dem „netten“ Armenier ein Kleinbus auf und brachte uns zur Hauptstraße, wo wir bezahlbare Taxen fanden. In Artashat stiegen wir noch in einen Bus, der uns nach Dvin brachte, wo eine archiologische Ausgrabungsstädte liegt, die wir aber völlig durchgefroren und nach einer weiteren Wanderung aufgaben zu finden. Im Sommer soll sie jedenfalls sehr schön sein, berichtete mir am Abend der Reiseführer. Naja, welcher Depp kommt schon auf die Idee, im Januar nach Armenien zu fahre? ;-)
Der Rückweg war dann wieder vom Glück gesegnet. Völlig erschöpft an der Hauptstraße angekommen, sahen wir einen Bus vorbeifahren, den wir mit schreien und winken doch anhielten. Erst als wir darin saßen bemerkten wir, dass dieser eigentlich schon gar nicht mehr regulär fuhr, der nette Mann schien Feierabend zu haben. Trotzdem nahm er uns mit und beorderte nacheinander Philipp und Rieke zu sich vor, um sich mit ihnen auf Armenisch zu unterhalten. Dazu muss gesagt sein: Philipp versteht genauso viel Armenisch wie ich. :-) Jedenfalls setzte er uns irgendwo in einem kleinen Dorf raus und organisierte auch gleich eine Marschrutka nach Yerevan. Was mich verwunderte: In armenischen Marschrutkas dürfen nur Männer vorne neben dem Fahrer sitzen, Frauen müssen nach hinten, was ich von Georgien nicht so kannte, da ist ja meistens egal. Völlig fertig, aber glücklich kamen wir dann in der warmen Wohnung wieder an, wurden noch lecker bekocht und fielen schließlich tot ins Bett...
Ich, Franzi, Rieke und Laure (von oben links)

So, das war der erste Teil des Armenienberichtes, der zweite folgt bald, keine Sorge. ;-)

Ganz wichtig natürlich, hier alle Bilder zum Eintrag:  http://jessicaingeorgien.wordpress.com/2011/01/11/silvester-und-armenien-teil-1/

Freitag, 31. Dezember 2010

Frohe Weihnachten noch und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Lange ist der letzte Bericht her, also hier mal wieder ein Lebenszeichen. Seit dem letzten ist einiges passiert: Türkeiaufenthalt, Vorbereitung einer Adventsfeier in der Schule, Umzug und schließlich Weihnachten in Deutschland. Von allem gibt es jetzt einen kurzen Abriss.

Türkeiaufenthalt: Also nach der schönen, aber anstrengenden Reise kam ich in Ankara an und verweilte dort 5 Tage. Die Hälfte der Tage war durch das Kulturweitzwischenseminar gekennzeichnet, der Rest war vor allem Spaß und gemütliches Zusammensitzen. Gerade die Abende waren sehr schön und ich empfand es als sehr hilfreich, auch von anderen Freiwilligen zu hören, was sie so erleben, was sie tun und was insgesamt so in andern Ländern, in denen man wahrscheinlich noch nicht war so los ist. Ankara war an sich als Stadt auch sehr nett, aber mir etwas zu ruhig, sodass ich mich am Freitag dann auch riesig auf Istanbul freute. Die drei Tage dort waren auch echt einfach wunderschön! Istanbul ist mit seinen fast 13 Millionen Einwohnern schon etwas größer als Tiflis und das merkte man auch. Da war es nur klar, dass ich die Tage und vor allem auch Abende möglichst gut ausnutzte. Starthilfe gar es dafür von Karen und Nike, zwei Freiwilligen in Istanbul, die sich gut auskannten. Der zweite Abend war besonders lustig, da ich in einem Straßencafé/ Shishabar zwei nette Holländer traf, die auf einem Seminar in Istanbul gewesen waren und ihren letzten Abend in der Metropole nutzten. Es war sehr schön mit ihnen zu sprechen und das Treiben in der kleinen Straße zu genießen...
Den Sonntag war dann mal ein richtiger Touristentag dran: Shoppen, Moscheen besichtigen und Hamam. Die großen Moscheen in Istanbul sind natürlich der Hauptanzugspunkt für ausländische Besucher, dementsprechend ist die Atmosphäre darin auch etwas anders als in der kleinen Moschee in Trabzon, trotzdem fühlte ich mich in ihnen sehr wohl und genoss es, einfach auf dem Teppich zu sitzen, den Kindern beim Spielen zuzusehen und die wunderschönen Wandverzierungen zu betrachten. Alles in allem schon sehr entspannend, doch das Hamam lies ich mir nicht nehmen. Die Schaummassage war einfach super und tat nach der ganzen Reise zuvor sehr gut. Nette Menschen traf man auch dort gleich wieder... Am letzten Tag stand dann nur noch Souvenirshoppen auf dem Programm und abends schließlich der Rückflug... Das war dann die Türkei, dich ich auf jeden Fall noch öfter besuchen werden, da es dort viele interessante Dinge zu entdecken gibt...

Adventsfeier: Vom Flughafen ging es für mich dann auch fast direkt in die Schule, da am Morgen meines Eintreffens auch die schriftlichen DSD-Prüfungen anlagen, die bis zum Nachmittag dauerten. Eine Woche später folgten die mündlichen Prüfungen, während denen ich vor allem im Vorvorbereitungsraum saß und den Schülern versuchte die Anspannung zu nehmen, meine fleißigen Helfer: Spekulatius, Mandarinen, Bonbons und Saft. An dieser Stelle Gratulation an alle Absolventen! Um die Prüfungen herum war ich mit Vorbereitungen für die am Freitag (19.12.2010) geplante Adventsfeier beschäftigt: Basteln mit den kleinen Schülern (Sternenkörbchen, Christbaumschmuck etc.), Märchen zu Papier bringen und dazu ein Quiz erstellen mit den Schülern der 7. Klasse und letztendlich auch Theaterproben mit den Schülern der 9. Klasse. Das Theaterstück war zum Glück nicht sehr lang, sodass es kein Problem war, dass der Prinz auch einen Tag vor der Aufführung seinen Text nicht konnte. Ich bin stolz auf alle und habe mich sehr gefreut, dass das Stück so gut geklappt hat. Insgesamt waren es zwei arbeitsintensive Woche, aber es hat sich gelohnt und ich bin froh über das Ergebnis.

Umzug: Zu den Prüfungen, den Vorbereitungen für die Adventsfeier und einer Erkältung, die sich bis heute hartnäckig hält, kam auch noch mein Auszug aus meiner Gastfamilie und der Einzug in die neue Wohnung mit Konrad. Der „Abschied“ von Teo fiel mir echt schwer und auch das kleine Zimmer mit den Heiligenbildern über meinem Bett war inzwischen doch mein Zuhause geworden. Aber ich kann ja jeden Tag vorbeikommen (was ich einen Tag später auch gleich tat) und Teo kommt bestimmt auch noch oft zu mir. Die neue Wohnung schaffte es jedenfalls schon etwas die Trauer zu mindern. Sie ist sehr geräumig, auch wenn mein Zimmer eher ein kleines Wandkabuff ist, aber sehr gemütlich, und auf der Dachterasse bzw. im Wohnzimmer vor dem Kamin finden viele Gäste Platz. In einer fünfstündigen, nächtlichen Putzaktion richtete ich mich auch gleich häuslich ein: die hässlichen Kristallschalen und -vasen wurden in die hinterste Ecke des Schrankes verbannt, das Bad bekam durch ein kleines Regal mit Handtüchern und allerlei Deko eine warme Atmosphäre und von den Wänden meines Zimmer schauen mich mein Freund, meine Mama und mein Bruder an. Zusätzlich wusch ich das komplette, in der Wohnung vorhandene, Geschirr ab, eine echt nervige Arbeit! Für eine Einweihungsparty war leider keine Zeit, aber das kommt vielleicht noch... (Anhang: Trotz Konrads Hinweise auf von ihm erlegt Kakerlaken, ich habe diese netten Mitbewohner noch nicht kennengelernt und hoffe, dass ich das auch nicht mehr werde.)

Weihnachten: Nun zum Highlight des Dezembers! Natürlich wollte auch ich wie die meisten Weihnachten gemütlich mit meiner Familie verbringen, weswegen ich Anfang November einen Flug nach Deutschland buchte, wovon allerdings nur wenige wussten. Die eingeweihten Personen wie z.B. meine Patentante Kathrin, ihr Mann der Michi und mein Freund halfen mir gerne dabei, meine Reise in das traute Heim vorzubereiten. Die größte Schwierigkeit: Sich nicht vor Mama, meinem Bruder, meiner Oma oder Freunden von diesen zu verquatschen. So versuchte ich schon zwei Tage vor dem Flug den Kontakt nach Hause zu vermeiden, da die Aufregung die geplante Überraschung wohl verdorben hätte. Am Freitagabend startete dann mein Bus Richtung Trabzon zu Ege, wo ich bis zu meinem Flug Sonntag blieb. Anders als beim letzten Mal präsentierten mir dieses Mal die Grenzbeamten beim nächtlichen Passieren der Grenze ihre „guten“ Deutschkenntnisse und unterhielten mich auch beim Einkauf in „Duty Free“. Gut gelaunt traf ich so in Trabzon ein und holte bei Ege erstmal ein paar Stunden Schlaf nach, wobei mir seine Hündin Venus Gesellschaft leistete. Ein so bezaubernder Hund, ich liebe sie einfach! Am nächsten Tag ging es dann von Tarbzon nach Istanbul und von dort aus in der Nacht weiter nach Berlin, wo mich mein Freund Phil und der Michi schon erwarteten. Durch Schneestürme, Glatteis, Schneeverwehungen und querstehenden LKWs manövrierte uns Michi sicher nach Aschersleben, einen riesengroßen Dank an Michi nochmal! Pünktlich 6:00 Uhr morgens schlich ich mich dann unter dem Fenster meiner Mama hindurch, als sie, just in diesem Moment vom Wecker geweckt, ihr Licht einschaltete. Phils Ankündigung, er hätte ein Paket aus Georgien mitgebracht, realisierte meine Mama im ersten Moment genauso wenig wie mich, als ich schließlich in der Tür stand und sie mit einem „Hallo“ begrüßte. Mein Bruder war da schon etwas euphorischer: Ich weckte ihn und bekam ein „Was machst du denn hier?“ zurück, nach dessen Antwort er sich promt nochmal herumdrehte und das ganze erstmal bei einem kleinen, halbstündigen Schläfchen nochmal sacken lies. Natürlich war die Freude später dann sehr groß, bei meiner Oma ebenfalls. Die folgenden Tage genoss ich dann mit meiner Familie und meinem Freund in besinnlicher, weihnachtlicher Atmosphäre neben dem Weihnachtsbaum und mit vielen Süßigkeiten. Von diesen habe ich mehr als genug mit nach Georgien genommen, sicher zum Spaß der Zollbeamten und Sicherheitskräfte am Flughafen, die meinen Rucksack auch alle mal öffneten.

Nun bin ich also nach schönen weihnachtlichen Tagen im verschneiten Deutschland wieder im dagegen relativ warmen Tbilissi und freue mich auf das bevorstehende Neujahrsfest!

Ich wünsche euch allen noch fröhliche Weihnachten nachträglich und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Urlaub ist doch etwas anders.


Mittwoch, 22:55 Uhr: Start! Auf geht es in die Türkei, oder besser erstmal  mit dem Nachtzug nach Batumi. Wie die meisten Verkehrsmittel in Georgien war auch unser Zug früher scheinbar einmal in russischen Händen gewesen, wovon der äußere Farbanstrich auf den ersten Blick noch versuchte abzulenken. Doch wenn ich Erzählungen meiner Mama und einiger Freunde Glauben schenken darf, war der erste Schein nur Tarnung, innen begeisterte unser Zug durch platzsparende Käfighaltung und zusätzlich Aufpasser, die streng auf die Ruhe von uns Chicken Nuggets achteten. Jede Kabine, schätzungsweise 1,5 m x 2 m hat vier Betten, die im Regelfall auch alle belegt sind. So wundert es nicht, dass ich bei uns gleich mal nette Leute traf, eine georgische Dirigentin, die gerade aus LA für ein Konzert in ihre Heimat zurückgekehrt war, ihre Tochter und einen Weltenbummler aus Malta. Das machte den ersten Teil der Fahrt schon sehr interessant, der zweite hielt dann einige Hindernisse bereit, z.B. eine nichtfunktionsttüchtige Klimaanlage, sowie ein georgisches Zugklo. Zweites werde ich besser nicht so genau ausführen, mein Fazit ist nur: Ich werde mich nie, nie wieder über Zugtoiletten der DB beschweren! Der erste Teil mit der Klimaanlage war da bald noch etwas problematischer…  Ich schlafe ja gewohntermaßen lieber in den oberen Betten, solange ich die Wahl habe, hier jedoch räumte ich diesen Platz schnell wieder, da sich in unserer Kabine rasant Temperaturen von mind. 40 °C entwickelten und es unten an der Tür doch schon etwas besser auszuhalten war. Wie man sich sicher schon denken kann, ja, das Fenster ließ sich nicht öffnen, lediglich die Tür. Jedoch sorgten sich im Zug scheinbar auch ein paar Polizisten um die Nachtruhe, sodass diese regelmäßig wieder geschlossen wurden, sobald ein Chicken Nugget das Licht des Flures erblickte. In unserem Fall, war das aber gar nicht erst nötig. Unsere Kabinenmitbewohner mochten scheinbar die warme Luft und es entstand in Wechsel zwischen ihnen und mir, Tür zu und Tür wieder auf. Zum Glück schlief die nette Dame aus LA sehr fest und unüberhörbar, dass auch ich die meiste Zeit schlummern konnte, versiegte einmal die Rodung der umliegenden Wälder, konnte ich mich ruhig darauf einstellen, in den nächsten 5 min die Tür wieder öffnen zu müssen. 

Überlebt haben wir die Zugfahrt trotzdem, wie ist egal, aber wir schafften es. Nun ging es in Batumi erstmal ans Frühstücken und anschließend zum Strand, um etwas die kühle Meeresluft genießen zu können.  Batumi ist um diese Jahreszeit leider etwas zu kalt und zu windig zum Baden, doch reicht schon der Blick auf das Meer, der zu unserem Glück auch nicht verregnet war, was sonst dort häufig der Fall sein soll. 
Nach der Ruhepause und immer noch ohne Dusche ging es dann weiter zur Grenze zwischen Georgien und der Türkei. Ein echt schönes Gebiet mit Gebirge und Meer zu beiden Seiten. Auch hier wurden wir als scheinbar betuchtere Europäer, die sich schon etwas über den Anblick einer sich im Bau befindenden georgisch-orthodoxen Kirche und einer Moschee in schätzungsweise 500m Entfernung (Luftlinie) befanden, erkannt und entweder angebettelt und winkend begrüßt. Unsere erschöpfte Erscheinung änderte an beidem nichts. Die Grenzbeamten dagegen hatten erstmal Spaß mit unseren Pässen bzw. den Namen darin, manche waren für sie wohl doch etwas seltsam, so brach sich eine jüngere Grenzerin fast die Zunge an meinem Nachnamen. 
Nach der Grenze folgte dann eine kurze Taxifahrt nach Hope, von wo aus wir unseren Bus nach Trabzon nehmen wollten. Bei der Ankunft erlitt ich den ersten Kulturschock, vor mir war schon mein Gepäck aus dem Auto ausgestiegen und mit netten Leuten von Busfirmen in ihre Büros verschwunden, wo es freudig mit diesen auf mich für die nächste Busfahrt wartete. Wir entschieden uns dann schließlich auch für einen Bus, der uns sicher und wohlbehalten nach Trabzon brachte. 
Geld holen, türkischer Döner und wieder einer kurze Taxifahrt später erreichten wir dann auch unseren Schlafplatz bei dem netten und äußerst gastfreundlichen Couchsurfer Ege, der uns alle 6 trotz Prüfung am nächsten Tag freudig aufnahm und uns gleich mal ein türkisches Pub zeigte. Ein sehr schöner Abend…
  Eigentlich sollte es auch bei einer Nacht bleiben, doch die Dusche am nächsten Morgen überzeugte mich doch: Ich bleibe noch eine Nacht!  Damit war ich auch nicht allein, bis auf Magnus erfüllten wir alles Eges Wunsch und blieben noch eine Nacht länger. Verstärkung bekamen wir auch, ein holländischer Couchsurfer gesellte sich zu uns.  Der Tag war dann natürlich ideal, sich Trabzon genauer anzuschauen, ein Museum, von dem man eine echt schöne Aussicht hatte, machte den Anfang (also das Museum war besser gesagt eine Kirche). Danach schlenderten wir noch durch die Stadt, kauften etwas ein, entspannten im Atatürkpark und Konrad, Kai und ich besichtigten noch schnell eine Moschee. Letzteres war etwas seltsam für mich, da ich keine Ahnung hatte, wo ich überhaupt hingehen oder was ich tragen sollte. Aber ein netter Türke wank mich freudig in den Gebetsraum der Männer, sodass ich mir diesen auch ruhig anschauen konnte. Am Abend hatten wir alle dann noch viel Spaß mit Egge und seinem holländischen Freund, bis ich zumindest fast tot ins Bett fiel in Erwartung einer 14-stündigen Busfahrt am nächsten Tag… 
Und nochmal eine Dusche, etwas chillen und Beine ausstrecken, dann ging es am Samstagabend in den Bus nach Kayseri und wieder hatten wir das alt bekannte Problem der Wärme. Der Bus hatte gefühlte 40°C, was wir nach langem Rätseln auf die Heizung zurückführen konnten, die auf scheinbar die ganze Zeit auf oberster Stufe lief. Von Kayseri sahen wir zunächst nur den Busbahnhof, da wir gegen Mittag gleich weiter nach Göreme fuhren, einer kleinen touristenüberlaufenen Stadt mitten in der Türkei, wo sich Höhlen aus dem 10. Jahrhundert befinden, die wir uns auch gleich anschauten. Diese schönen Höhlen sind zum größten Teil Kirchen, oder ich habe andere einfach nicht gefunden, die bei der Hitze in Göreme ganz angenehm zu besuchen waren. Für weitere Kühlung beschlossen Konrad und ich uns einen Roller zu leihen und noch die Umgebung zu erkunden, da Göreme doch sehr klein ist und es in der Umgebung noch viele Sehenswürdigkeiten zu entdecken gibt. Leider durfte ich aufgrund eines fehlenden Führerscheins nicht fahren, so war ich wieder schmückender Beifahrer und der einzige mit einem Orientierungssinn bzw. einer Ahnung wo es hingehen sollte. So fanden wir auch zum Love Valley , ein Tal mit besonderen Felsformationen, die jeder, der Interesse hat mal selbst googlen kann, da ich nicht weiß, ob mein kleiner Bruder das hier liest. Unterwegs trafen wir auch Kai, der mit einem Quad die Umgebung unsicher machte und fuhren noch eine Weile zusammen durch die Nacht. (In der Türkei wird es gegen 16:30 Uhr etwa schon dunkel.) Haken: Kai hatte kein Licht, weshalb wir ihn hinter uns häufig nicht sahen und ihn schon als vermisst melden wollten.
Nach 2 Stunden Fahrspaß und noch einer kleinen Stärkung (ja, wieder Döner) ging es wieder zurück nach Kayseri und auf die Couch von netten türkischen Studenten, wo ich sehr gut und fest die 3- 4 Stunden schlief. 

In aller Frühe ging es dann nach Ankara, wo ich jetzt immer noch bin und worüber ich dann vielleicht demnächst mehr berichte. Soweit erstmal bis dann!


Die Jessi

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Bloggingchaos

Hallo erstmal,

hier wieder ein Lebenszeichen, dieses Mal auch sehr wichtig. Also ich hatte ja letzte Woche angekündigt, meinen Blog auf Wordpress umzustellen, da ihr euch da meine Bilder größer anschauen könnt und der Blog da ja auch ganz nett aussieht. ABER: Ein paar Beschwerden und meine Verbundenheit zu diesem (meinem ersten) Blog haben mich jetzt bewogen, die Idee etwas zu überdenken. Ich werde in Zukunft beide Blogs nutzen, diesen hier bei Blogger für die Berichte und zu diesen Berichten findet ihr Links zu den Bildern, die sich auf meinem Blog bei Wordpress befinden. 
Als Beispiel dient schonmal der Eintrag: http://jessica-in-georgien.blogspot.com/2010/12/sighnaghi-altervision-und-noch-vieles.html . Ich hoffe, ihr seid damit zufrieden und es ist insgesamt nicht zu verwirrend, aber ich verabschiede mich ungern von diesem Blog, vielleicht geht es euch ja ähnlich. Morgen oder übermorgen folgt dann ein neuer Eintrag. Worum es da geht? Lasst euch überraschen!

Liebe Grüße aus Ankara,
Jessica.


PS.: Wenn ihr die Idee nicht gut findet, schreibt das ruhig. ;-)