Nach langer Frühjahrespause hier mal wieder eine Meldung von mir. Ich gebe zu, in den letzten Wochen war ich zwar sehr aktiv, aber nicht was den Blog anging. Das wird sich jetzt wiedermal ändern...
Zu Beginn noch, die Zusammenfassung für den März versuche ich nachzureichen, hier geht es jetzt lediglich um das letzte Wochenende.

Dieses verbrachte ich nämlich mal in einer mir bis dahin völlig unbekannten Region, in Samegrelo im Westen Georgiens. Spontan war ich der Einladung von Freunden hier in Tbilisi zu einer Hochzeitsfeier dort in einem Vertriebenen-/ Flüchlingsdorf mitten in der Pampa gefolgt. Das mit der Pampa wusste ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht. Es wurde mir erst klar, als wir uns gegen 2 Uhr nachts eine halbe Stunde mit dem kleinen Jeep, in dem wir saßen, über eine Straße mit unzähligen Schlaglöchern kämpften. Unser Fahrer, immer auf die Pflege seines Gefährtes bedacht, bekam dabei mehrmals zu hören: „Mensch, du fährst einen OFFROAD JEEP!“.
@ Leser aus meiner Heimat: Ihr findet die Straße zwischen Aschersleben und Westdorf unmöglich mit ihren Schlaglöchern? Fahrt erstmal auf den georgischen hier. ;-)
Dank der Führung eines Freundes unserer Gastgeberin Ratna erreichten wir unser Ziel unversehrt. Auch wenn wir auf der Fahrt schon etwas darüber gewitzelt hatten, mitten in der Nacht von einem Fremden quer durchs dunkle, unbekannte Nirgendwo geführt zu werden. Aber er ließ uns leben.

Angekommen wurden wir dann von der Familie Ratnas sehr, sehr herzlich empfangen und ich kann das positive Vorurteil nur bestätigen: Es geht nichts über georgische Gastfreundlichkeit. So gab es leckeres Essen und selbstgemachten abchasischen Wein, der beste Wein, den ich je getrunken habe! Bei den interessanten Gesprächen über alles Mögliche dolmetschten uns abwechselnd Ratna und ihr kleine Schwester. Letztere muss ich nochmal hervorheben: Mit 11 Jahren zwischen Georgisch und einen Deutsch-Englisch-Mix zu übersetzen ist schon klasse, Respekt!

Bei Sonnenaufgang ging es schließlich ins Bettchen, bald darauf jedoch vom Verlangen nach einer warmen Dusche geweckt, kroch ich nicht viel später wieder aus dem Bett und erfreute mich daran, mal komplett anders duschen zu dürfen. In dem Haus der Familie gibt es kein fließendes Wasser, also wird erst Wasser mit Eimern vom Brunnen geholt und dann mit einem heizspiralenähnlichem Ding erhitzt. Natürlich gibt es auch eine Kelle zum begießen. Mal etwas Besonderes und auch nicht so schlimm, wie es sich vielleicht anhört. ;-)
Am Nachmittag erkundeten wir endlich etwas die Umgebung. Und wenn man schon 15 km von Zugdidi ist und auf dem Weg zur Stadt knapp an Abchasien vorbeikommt, natürlich schaut man sich da mal die Grenze an. Ein sehr aufregender Abstecher, auch teils etwas beunruhigend wenn man sich die Soldaten und Militärbasis an der Grenze anschaut. Aber der, mit einem Maschinengewehr bewaffnete, Grenzsoldat nahm uns schnell die Angst, indem er uns erzählte, wie gastfreundlich er sonst sei und uns gerne mal wiedersehen würde. Das überlege ich mir lieber nochmal...

Für den Besuch der Grenze bekam ich im Nachhinein auch noch ein paar Schellen, da trotz der Idylle dort mit grasenden Pferden und Kühen, kleinen Kutschen und alten Omas, die Satellitenschüsseln über die Grenze tragen, doch täglich noch Auseinandersetzungen stattfinden, bei denen nicht selten Menschen ums Leben kommen. Überlebt haben wir es aber alle.
Am Abend stand dann endlich die Hochzeitsfeier an und ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele Menschen in einen kleinen Raum reinpassen. Trotz des mangelnden Platzes fühlte ich mich trotzdem sehr wohl und lernte auch gleich wieder nette Georgier kennen, mit denen wir den Rest des Abends kräftig feierten. Ich kam auch endlich mal dazu, in der „freien Natur“ georgischen Tanz zu testen. Hilfe erhielt ich dabei von einer kleinen Verwandten von Ratna (vllt. 8 bis 9 Jahre alt). Ansonsten werde ich von dem Abend wohl viel Spaß, leckeren Wein, tolles Essen, super nette Leute, Tanzen und eine semi-glückliche Braut im Gedächtnis behalten.
Der nächste Tag war für mich dann der typische Tag danach: Relativ fertig watschelte ich durch die Gegend und schaute mir mit den anderen noch eine Kirche, das Dadiani Museum und einen Park in Zugdidi an, bis es schließlich zurück nach Tbilisi ging.
Und so ende ich an dieser Stelle mit meinem nach langer Zeit neuem Bericht mit einem schönen Zitat der Fahrt:
„Ich habe riesen Hunger, lass mal was Essen gehen. Aber nicht in einem Restaurant, das dauert so lange, kennen wir hier einen Imbiss? … War in Kutaisi nicht ein McDonalds? Ok, lass bis Kutaisi durchfahren!“
*Anmerkung: Die Fotos sind nicht von mir persönlich gemacht wurden, da ich zwar meine Kamera dabei hatten, jedoch nicht die SD-Karte dazu. ;-)